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Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
Entstehung
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kanischen Tupistämmen; der Tote wird zunächst begrabenoder den Fischen oder den Ameisen zum Skelettieren über-lassen, worauf die Knochen gewaschen, nicht selten bemaltund schließlich in Urnen oder Körben geborgen werden,wie denn bekanntlich Alexander v. Humboldt bei den Atuream Orinocco 600 in Körben bestattete Leichen fand 24 ).

Wie mit dem Liebsten, woran im Leben sein Herz hing,so wird der Tote im Grabe von seinen Angehörigen mitSpeise und Trank versehen 25 ). Im alten Peru öffnete mandas Grab von Zeit zu Zeit, um der Leiche Nahrung zu-zuführen, oder man leitete ihr die Chica, den Lieblings-trunk, durch eine Röhre zu 26 ). Von verschiedenen Völkernwerden dem Toten auf seinem Grabe förmliche Mahle ver-anstaltet, oder es werden ihm solche in seiner ehemaligenBehausung bereitet, zu welchen er mehrmals im Jahre ein-geladen wird 27 ). Ganz besonders lechzt der Tote nach Blut,denn im Blute liegt das von ihm so heiß begehrte Leben.Seine Angehörigen lassen ihm daher das Blut geschlachteterTiere oder Menschen vom Opfertische durch das Grabgeradeswegs in den Mund rinnen, wie es ehedem in denKönigsgräbern in Mykene und Tiryns und jetzt noch inWestafrika und Sibirien geschieht 28 ). Um ihm Blut undLeben vorzutäuschen, wird der Tote bzw. das Skelett vonvielen Stämmen rot bemalt, mit rotem Ocker eingerieben,in eine rote Decke gehüllt 20 ).

Diese wie zahllose ähnliche Bräuche wurzeln in deruralten, ins Paläolithikum zurückreichenden Vorstellung,welche ungezählte Jahrtausende hindurch Erbgut derMenschheit geblieben ist und mit der unüberwindlichen Ge-walt eines Elementargedankens noch heute nicht nur diePrimitiven, sondern auch sehr beträchtliche Teile der Kul-turwelt beherrscht, im Glauben nämlich, daß der Tote nichtvollständig tot ist. Wie das Kind, so kennt der kindlichund primitiv denkende Mensch keinen wirklichen Tod undkeinen wirklich Toten. Für ihn wohnt auch der Leiche nocheine Art Seele und Leben ein, für ihn gibt es daher tatsäch-lich das, was in den Augen des Kulturmenschen der voll-endete Widerspruch ist, einen lebenden Leichnam 30 ). Bei

2 ") Busch an I, 272; II, I, 684.

25 ) Waitz III, 195.

26 ) Waitz IV, 466.

27 ) O. Sctrader, Mitteilungen der Sdilesisdien Gesell-schaft für Volkskunde. 1910 S. 54 f.

28 ) R o h d e, Psyche I 5 , 55; v. N e g e 1 e i n 146 f.

29 ) v. D u h n, Rot und Tot. Archiv für Religions-Wissen-schaft 1906, lff.

30 ) Vgl. hierüber G. W i 1 k e, Der lebende Leichnam, b.Ebert VII, 259 ff.; H. Seh reu er, Das Recht der Toten, Zeit-schrift f. vergleichende Rechtswissensch. B. 53/4; G. Neckel,

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