Druckschrift 
Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

stammen von Afrika und namentlich bei allen Pygmäen 1 ).Schon aus der älteren Steinzeit sind uns Skelette erhalten;es besteht kein Zweifel, daß bereits die Mousterien-Menschen des Paläolithikums zum mindesten einen Teilihrer Toten mit Absicht bestatteten. Aus mannigfachenGrabfunden geht hervor, daß man die Toten in jung-paläolithischer Zeit teils in Höhlen, teils im Freien zu be-statten pflegte; neben Einzelgräbern finden sich auch schonSammel- und Massengräber 2 ). In Ägypten wurden durch-weg vorgeschichtliche Friedhöfe, keine Einzelgräber frei-gelegt 3 ). In Mesopotamien wurden die Leichen in Schilf-matten eingehüllt und mit einem Lehmziegelwerke um-geben. Sehr häufig war die Bestattung in Tontöpfen, auchin Doppeltöpfen, die aneinander schlössen; in Assyrienstieß man auf Schachtgräber mit Grabgewölben 4 ). Aus derBibel erfahren wir, daß der Stammvater Abraham für sichund die Seinigen eine Höhle bei Hebron als Begräbnis-stätte erwarb. Man sagte daher bei den Hebräern voneinem Verstorbenen, er habe sich zu seinen Vätern ver-sammelt, d. h. im Familiengrabe seine letzte Ruhestättegefunden 5 ). Aus der Sitte des Familiengrabes erwuchsdann allmählich die Vorstellung von der Unterwelt, derScheol, in welcher die schon im Leben miteinander Ver-bundenen wieder vereinigt sind 6 ). Im ägäischen Kultur-kreise wurden durch die Ausgrabungen Kammergräbermit Türen und Dächern, mächtige Kuppelgräber, Familien-oder Stammesgrüfte für Hunderte von Leichen aus derZeit von 25001800 aufgedeckt. Das Atreusgrab in Mykenesowie das Grab in Orchomenos sind Wunderwerke derBaukunst aller Zeiten 7 ). Sie gleichen den wie für dieEwigkeit gebauten Pyramiden der alten Ägypter und dengewaltigen Megalithgräbern, Riesenstuben und Dolmen,die über ganz Europa, Nordafrika und Palästina verbreitetsind und den Jahrtausenden trotzen, und sind dersprechendste Beweis für die außerordentliche Sorgfalt, mitwelcher schon in ältester Zeit die Lebenden die körperlichenÜberreste der Väter behüteten.

Die Gruft der um 5500 verstorbenen Königin Schubad vonUr in Chaldäa war mit Skeletten von Männern, Frauen

*) Buschan, Völkerkunde I, 316, 492, 541, 557, 599, 604,610; II, I, 57, 45, 94, 171, 190, 476, 606, 683, 770.

2 ) Hugo Obermaie r, Urgeschichte der Menschheit (1931)194 f., 226 f.; D e r s. b. E b e r t, Real-Lex. d. Vorgeschichte (1926),IV, II, 449 ff.

3 ) A. Schärft b. E b e r t 460 f.

4 ) E. Unger, b. Ebert 485.B ) Gen. 23, 1 f.; 25, 8, 17 u. ö.

°) Ezechiel 32, 17 ff.; P. Thomson b. Ebert 483.7 ) G. Karo b. Ebert 457.

11