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Geschichte der alten Jülich'schen Residenz Nideggen
Entstehung
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131
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131Für die Mitglieder des jülichschen Hauses war in derhiesigen Pfarrkirche als der alten Begräbnißstätte ein groß-artiges Gedächtniß gestiftet, welchem sämmtliche Pfarrerdes Dekanats Zülpich beiwohnen sollten; nur der NideggerPastor selbst war davon befreit. Es fand am drittenDienstag nach Ostern statt und der Pfarrer zur h. Mariain Zülpich oder im Verhinderungsfalle dessen Stellvertre-ter celebrirte das Hochamt, die übrigen Lesemessen. Mark-graf Wilhelm stellte die einzelnen Bestimmungen der Stif-tung zusammen, die Katzfei, Gesch. v. Münstereifel und dennachbarl. Ortsch. II, 147 mittheilt. jedoch mit manchfachenoffenbaren Irrthümern, (z. B. Verwechselung des DekanatsBergheim mit Zülpich, Anführung von niemals bestandenen Pfarreien, wie Abenden, Blens, Burgau u. a.) DieTheilnahme der Geistlichen wird als Pflicht der Erkennt-lichkeit wegen der gräflichen Dotationen und des weltlichenSchutzes bezeichnet und darum auf unentschuldigtes Aus-bleiben eine Mark Strafe gesetzt; ebensoviel auch auf un-gebührliches Benehmen und Trunkenheit bei der Feier.Diese Strafgelder wurden auf die anwesenden Geistlichenvertheilt. Die Schloßkellnerei lieferte 1715 fürs Mittags-mahl 3 Malter Roggen und 6 Viertel Wein. Dasselbewurde später im Minoritenkloster gehalten. Wegen dergroßen Menge von Geistlichen nannte man dieses Fest diePfaffenjagd.!) (Bauernregel: „Ehe Nidegger Pfaffenjagd,Blenser Hoffarth, d. i. die Kirmeß, und Kölnische Gottestracht vorbei ist, giebt es kein gutes Wetter“,Auch auf Dienstag nach Conceptionis, auf Christtagund St. Stephan war Memoria der Fürsten und Fürstin-nen; der Kellner lieferte in die Messe für die Communi-kanten 2 Viertel Wein, ebenso für die Commun. auf Oster-tag 4 Viertel Wein; der Offermann erhielt v. Kellner 4¹) Eine Anekdote knüpft sich an die Pfaffenjagd. Ein armer, al-ter Mann pflegte jedes Jahr nach derselben in einem neuen Hute zuerscheinen. Gefragt, woher er denselben beziehe, erklärte er sich dahin,daß die Herren nach dem Festmahl einen abendlichen Spaziergang imKlostergarten machten, wobei ihnen die Hüte zu schwer würden und siesich der Last wohl zuweilen absichtlich oder unabsichtlich entledigten:der Mann stieg in der Nacht über die Gartenmauer und hatte stetseine gute Auswahl.