Verheerungen am Nidegger Schloß beschreibt der Schul-theiß Eissenberg zu Weißweiler: Das so berühmte Schloßhat man so sehr zerfallen lassen, daß es kaum noch demchurfürstl. Rentmeister und den Früchten zum Aufenthal.dienen konnte; allein auch dieser wurde endlich im Jahre1756 den 18. Februar herausgejagt, als das große Erdbeben die baufälligen Wände gar zusammengeschmissenhatte. Vielleicht wäre es bei dieser Gelegenheit seinemgänzlichen Untergange überlassen worden, wenn man nureinen Ort gewußt hätte, wo man die herrschaftlichen Früchtehätte aufbewahren können. Man sah sich demnach genöthigt, mit einem Baumeister einen Vertrag zu schließenwonach er für 800 Rthlr. die Wohnung des Kellners unddie Speicher wieder herstellen sollte. Der Minorit Bauersagt, in Folge des Erdbebens sei es nöthig geworden, dieThürme und zerspaltenen Mauern tiefer, als bis zurHälfte abzutragen; auch seien die Gewölbe der weiten,schönen Keller eingestürzt: nur unter dem Küchenthurm seidasselbe erhalten geblieben und habe hier der letzte Kellneeine irdene Urne nebst einigen kleinen Gebeinen und Aschgefunden.So war denn schon die einst so stolze Burg eine Ruinegeworden, ehe die Franzosen sie 1794 als Erben des letzt-ten Churfürsten in Besitz nahmen und, nachdem sie einZeit lang verpachtet gewesen, für einen Spottpreis zurAbbruch verkauften. Der Käufer, Appellationsgerichtsrat1) Noch möge eine Stelle aus dem Rathsbuche hier Platz findenmercurii den 18. februarii 1756. Auff die Ahm 26. Dec. Negstvori-gen 1755 jahrsauff S. Stephani Tag umb drey uhrene undt deNachts darauf zwischen drey undt vier uhren entstandenen schröckbahrenErdtbebungen hatt ſich ahn heutigem dato Morgents umb acht uhrenungefehr ein so entsetzliches und erschröckliches Erdtbeben ergeben, dadadurch in dahiesigem stättlein undt angelegener Nachbarschaft diemehriste schorrenstein eingefallen, übrige mit denen Mauerwerkerendurchgehends nicht allein zerborsten, sondern auch ahn dahiesigem churfürstl. schloß Nideggen durchgehents die Thurn, Cameinenforth auffgestandene Mauerwerker dergestalten eingefallen und zerschmettert wor-den, daß der churfürstliche Kellner Herr Martin Cüntzer mitt seiner Ge-mahlin und Kindern forth übrigen domestiquen vom schloß retiriren,und sich in der Pastoral=Behausung eine zeit lang aufhalten müssen.
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