66und Thoren, zwischen denen der Zugang in verschiedenenWindungen zum äußern Burgthor (i) führte.Zwei der um die Burg herumliegenden Felsen warenmit festen Wachtthürmen versehen, deren Vertheidigungeinem Ritter anvertraut war und die eine Ueberrumpelungvon dieser durch offnen Angriff ohnedies nicht zu nehmenden Seite her verhindern sollten. Der eine auf der sogBewersley (Ley=Felsen) errichtete Thurm schützte zugleichden außerhalb des Städtchens im Bergabhang liegendenund bei dem völligen Wassermangel auf der Höhe sehrwichtigen Brunnen Heimerstein. Der andere Felsen, vondessen Mauerwerk noch bedeutende Reste vorhanden sindmag seinen Namen Kanzley oder „Schrierley“ (Schreibfelsen, Schreibereifelsen) davon empfangen haben, daß ihnder Herzog seinem Kanzler zu Lehn gegeben, oder aberwie die Ueberlieferung ist, daß dort sich seine Kanzlei mitden Archiven befunden habe.Es ist schon oben ausgeführt worden, daß Schloß undStadt Nideggen nur der Feſtigkeit der Lage ihre Entſtehung verdanken, sowie daß zuerst das Schloß erbaut wurdund daran sich später die Stadt anschloß. Wie gewöhnlichum die Burgen mächtiger Herren Städtchen entstanden un-schon im ursprünglichen Plane lagen, so auch hier. Ewurde dadurch ein an der schwächsten Seite angelegteBollwerk für das Schloß geschaffen, das erst genommenwerden mußte, ehe diesem Gefahr drohte; in demselbenkonnte man eine große Menge riesigen Kriegsvolks versam¹) Eine Sage, die sich an eine andere Erklärung des Namens anknüpft, lautet folgendermaßen: In einer unterhalb der Burg gelegeneFelsengrotte, der sog. Klause, wohnte ein frommer Waldbruder, devon jenem Felsen aus jeden Sonntag zu dem zahlreich herbeiströmenden Volke der Umgegend predigte, woher der Felsen Kanzel=FelsenKanzelley genannt wurde. Eines Sonntags, als der Bruder krank darniederlag, nahm der Teufel dessen Gestalt und Sprache an und beganndessen Stelle als Prediger zu ersetzen. Als der Einsiedler seine eigeneStimme erschallen hörte, schrak er zusammen. Er ging hinaus, erkannte sofort den Bösen und vertrieb ihn durch das Zeichen des Kreuzes. Dieser sprang mit einem gewaltigen Satze in die nach ihm be-nannte Teufelsschlucht hinab, wo noch die Spuren seiner Füße (darunter ein Pferdefuß) tief eingegraben erhalten sind und verschwand ineiner Höhle, die daher das Teufelsloch genannt wird.
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