— 198 — '
er die dunklen Schatten des Kommendendrohen und er beginnt zu klagen über dieGötter; grimm und hart stehen ihre Augenwie in Stein gemeisselt, und es lacht ihrHerz, und sie wechseln mit den Händen diegoldenen Schalen und lauschen ohne Wimper-zucken unserem Jammer und Klagen. Wiraber sind zu ihrem Zeitvertreib; in Schmerzsind wir geboren, tappen im Zwielicht durchsLeben, nennen Blindheit Glück und gehenschliesslich zu den Schatten . . . Da stossendie Fremdlinge ihre leeren Becher klingendauf den Tisch. Orpheus steht auf und nimmtdie Leier und beginnt zu singen: „Und wenndem so wäre, o König, was schadet das?Eine Flamme ist des Menschen Leben; nichtStaub und Asche ist das Feuer, sondernLicht, das blendet, Glut, die wärmt; werfragt, woher es kam und wohin es geht ? . . .Nicht wir sind blind, o König; du selberbist es; denn du siehst nur, was war undwas wird, nicht aber das, was ist, nicht dieSchönheit und die Kraft des Jetzt, mit Zeitund Schicksal den Kampf aufzunehmen.Nicht neidisch sind die Götter; sie habenfrische Herzen; sie lachen in ihrer Stärke,und zu ihren Füssen zieht das Schicksalseine Bahn. Aber wir, die wir das Hauptvor seinem Schlag nicht beugen, wir, diewir in unserer Stärke lachen, wir sind den