Dyre Rein.
Jonas Lie ist einer von den wenigenskandinavischen Dichtern, die man liest, abernicht diskutiert. Er ist darum dem Be-wusstsein des Publikums minder gegenwärtigals Björnson und Ibsen, Strindberg und Gar-borg. Man streitet um ihn nicht; die Altenwie die Jungen nehmen ihn stillschweigendfür sich in Anspruch. Er wirft ja auch keinneues Kunstproblem auf und seine kühnstenMoral- und Gesellschaftsprobleme sind aufdas Individuum gestellt und werden für dasIndividuum gelöst. Er macht nicht Lärmund Revolution; er ist stets massvoll undbürgerlich. Doch seine Bürgerlichkeit hatdas Tragische im Hinterhalt. Und seineTragik hat das Grosse, dass sie lustvoll ist.Manche Dichter sind Tragiker aus Pessi-mismus. Jonas Lie wird tragisch aus Opti-mismus. Er glaubt noch an das Leben; es
Herzfeld, Die skandinavische Litteratur etc. 11