— 99 —
Verbrüderung und diesen Worten und Wün-schen nichts gemein. Er fühlte sich näherverwandt mit der Sinnesart des älteren,stilleren, vornehmeren Geschlechtes. Dochklingt in ihm der Vorwurf eines jungenMädchens nach, das ihm gesagt: „So ge-hören Sie auch zu den fremden Leutenhierzulande, die nichts mit unserem Lebenund unserer Arbeit zu thun haben!" Daswar vielleicht gerade das richtige! Fremdhierzulande! Vielleicht fühlte Erik Ravn-Krag sich in diesem Moment als Sprösslingder alten dänischen Familien, die einstensHerren des Reichs gewesen und im süd-westlichen Winkel Norwegens sich und diefeminin weiche, skeptische Art der Dänenso ziemlich erhalten haben. Vielleicht fühlteer sich nicht bloss als Fremdling unter denZeitgenossen, sondern auch als wurzellosmitten in einem barbarisch kräftigen, autoch-thonen Zukunftsvolk.
Er ist nicht daheim unter den Lebenden;doch seine Toten umschweben ihn. Erlebt mit ihnen, täglich, nächtlich. Er gehtwieder hinaus ins Gebirge und da, in derEinsamkeit, findet er, was von ihm nochübrig blieb. Den Punkt, „in dem sich alleWege treffen". Den Ort, wo alles klein-,liehe, geschäftige Menschenwesen weit hintereinem liegt und alle Weisheiten und Wahr-