voll tiefer Worte und ergreifend schön. Ge-rade in diesen Halbdelirien des Fiebers undder Angst, in diesen Visionen und Phan-tasieen einer Seele, welche die Bande derSinne abgestreift hat, die nicht hört undsieht, was ist, und doch in ihrer momen-tanen Umnachtung weitsichtiger, feinhörigerund tiefer scheint, als wenn der Tag sieregiert und der Leib ihr gehorcht — es ist,als verriete sich gerade hier Wilhelm KragsAllergeheimstes. Und was drin klar sichäussert: das leidenschaftliche Suchen derSeele nach der Schwesterseele, in der siesich vergessen könnte, und dabei das Ge-fühl, sie nicht zu finden, ohne Zusammen-hang zu sein mit der übrigen geschäftigenMenschenwelt, nicht mitzuleben und nichtmitzuwollen — all' das hat den tiefen, reinenKlang einer unberührten heiligen Jugend.Doch dieser Jugend spielt schon, ihr un-bewusst, das weltfremde Lächeln der Ster-benden um die Lippen. Ihr stärkster Wunsch,fast die einzige energische Lebensäusserungist ihre Sehnsucht nach Stillsein, Ruhen.Wenn aus dem „ewigen Lautgeriesel" derMaiennacht dem Dichter die stumme Schwer-mut kommt, die nicht Wort und Melodiehat, noch des „Gedankens Rhythmus", dawünscht er, er wäre das spriessende Blattan der Birke, das Duft verhaucht, oder der
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Die skandinavische Litteratur und ihre Tendenzen : nebst anderen Essays
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88
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