Druckschrift 
Die skandinavische Litteratur und ihre Tendenzen : nebst anderen Essays
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

i8

seciert. Er dichtet in Arabesken, wie esFriedrich Schlegel empfohlen, spottet allerFormregeln, wie Tieck es gethan. Er kenntkein Gesetz ausser das seiner Willkür, undseine Königslust steht über der gemeinenGrammatik; doch wie bei Poe und Hofmannhat die Phantasterei ihre selbsteigne Logik.Seine Verse und genau genommen, auchseine Prosa, das sieht aus wie ein wildesSpiel seiner einsamen Laune, und dochsind es geniale Thaten eines schöpferischenGeistes, der seinem Wollen selbst das Werk-zeug erfindet. Sie sind experimentelle Ur-bilder für das, was zehn, fünfzehn Jahrespäter die französischen Symbolisten ver-suchten und der gelungene Ausbau dessen,was Novalis gestammelt. Er kann nur mehr;es ist mehr Metall in ihm; denn das tro-pische Urwalddickicht seines romantischenGemütes durchziehen die eisklaren Quelleneines modern geschulten Verstandes. Euro-päischer Positivismus vermählt sich in ihm mitdänischer Phantastik; seine Erkenntnis zer-pflückt die Welt in Stücke, seine Einbildungs-kraft bindet sie zu blumigen Guirlanden zu-sammen. Und dazu ist er krank; er siehtdie Welt mit den sehnsüchtigen Augen desSterbenden, der sie nur in glühenden Bildernbesitzen wird, in glühenden Bildern, über-wirklich, doch als eine Wirklichkeit, die immer