Druckschrift 
Die skandinavische Litteratur und ihre Tendenzen : nebst anderen Essays
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

II

Siechen gebracht. In Skandinavien vegetiertenoch ein schwächlicher Ableger der deutschenRomantik, mit religiösen, nationalen undkünstlerischen Tendenzen, denen die Lebens-säfte ins Stocken geraten waren. Sogar einDichter wie H. C. Andersen vermochte derLitteratur keine neuen Impulse zu geben.Björnson und Ibsen in ihren Anfängen, daswar nur der alte Wein in frischen Schläuchen.Der Krieg von 1864 machte dieser schwäch-lichen Periode gründlich den Garaus. DieWirklichkeit hatte alle Schleier der Selbst-täuschung zerrissen. Auf den Schlachtfeldernvon Düppel und Alsen starb die Legende vonder dänischen Aladdinsnatur und der Lampedes Genies, die ohne Müh' und Arbeit denWeg zu allen Schätzen des Erfolges zeigt.Dort starb auch der Glaube an den Skan-dinavismus: das Glück und die nordischenBrüder hatten nicht stichgehalten. In denJahren bitterer Enttäuschung und schmerzlichthatloser Einkehr reifte das merkwürdige-,reich begabte Geschlecht heran, dessen Ruferim Streit Georg Brandes war. Denn seineVorlesungen rollten nicht bloss ein Kultur-bild auf und erzählten die Seelengeschichteder ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in-dem sie die bedeutendsten Menschen dieserZeit schilderten, ihre Schicksale und Thaten,ihre Ideen und Gefühle, und die Ursprünge