II.
Man beginnt die Zeitrechnung der mo-dernen skandinavischen Litteratur mit demAnfang der Siebzigerjahre und dem Auftretenvon Georg Brandes als Dozent an derKopenhagener Universität. Im Herbst 1871hielt er die erste jener epochalen Vorlesungen,die unter dem Titel „Die Hauptströmungender Litteratur des neunzehnten Jahrhunderts"einen europäischen Ruf bekommen haben.Er war selbstverständlich nicht voraussetzungs-los ; er stand auf den Schultern von Hettner,Saint-Beuve und Taine; andere vor ihm hattenvergleichende und pragmatische Litteratur-geschichte getrieben, den Zusammenhangder leitenden Kulturideen bemerkt, ein Kunst-werk angesehen wie ein Naturprodukt, dasnotwendig und organisch aus dem von Raceund Familie, Zeit und Milieu bedingtenIndividuum herauswächst; andere vor ihmhatten erkannt, dass es mehr gelte, zu ver-stehen als zu richten und dass alles Ur-teil in Kunstsachen nur dahin gehen könne,zu entscheiden, ob der Künstler seine Ab-sicht erreicht und ob diese Absicht diemenschliche Entwicklung fördere: und dieseanderen hatten zumeist eine tiefere Gelehr-samkeit besessen, einen stetigeren Charakter