Druckschrift 
1 (1882) 1576 - 1582
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

190

nünftig genug diese bedenkliche Anregung eines Punktes, der amBesten unerörtert blieb, zu unterlassen. Im letzten Augenblick er-suchte auch der Laudgraf trotz seiner Verstimmung den KurfürstenAugust dringend, er möge über dem „Privatodium" die gemeineSache nicht zu Schaden bringeu. Eine Bitte, die August allerdingsnicht vollständig erfüllte; aber die pfälzischen Gesandten konntendoch mit erleichtertem Herzen nach Hause berichten, dass zuBegensburg von der gefürchteten Exclusion oder Coiidemnationkein Wort gefallen sei. J )

Das war freilich nicht zu hindern, dass der RegensburgerWahltag nicht nur den uneinigen Protestanten eine politische Nieder-lage, sondern auch den Gesandten Friedrichs eine Reihe von De-mütigungen brachte. Der Kurfürst hatte, zum guten Glück, seinenältesten Sohn als Stellvertreter abgeordnet; der bekam die Grob-heiten, die August dem Vater zugedacht hatte, unverkürzt zu hören,Pfalzgraf Ludwig selbst, obwohl in der Frage der Freistellung mitFriedrich einig, war von der Fruchtlosigkeit der ihm aufgenötigtenSendung von vornherein überzeugt und verabscheute die calvinisti-schen Räte, die ihm von Heidelberg aus beigegeben waren. AlsKursachsen anfangs nicht einmal die Gegenwart Ehems im Ratdulden wollte, kostete es den jungen Fürsten grosse Ueberwindung,für den Kanzler, den er selbst als seinen Todfeind betrachtete, eingutes Wort einzulegen. Vom Kaiser wurden die Gesandten wenig-stens tüchtig angefahren; Alles half dazu, ihnen ihre Isolirung rechtfühlbar zu machen, so dass sie sich vorkamen „wie Samariter unterden Pharisäern". Natürlich war unter solchen Umständenfür die volle Freistellung oder gar für die Einsetzung eines Reichs-regiments nichts zu hoffen. Kurfürst August Hess sich nur eineinziges Mal aus seiner verhängnissvollen Befangenheit reissen. Alsdie Geistlichen sogar die Existenz der Ferdinandeischen Declarationläugneten, trat er, der Besitzer des unanfechtbaren Originals, fürdieselbe ein und schien einen Augenblick geneigt ihre Aufnahmein die Wahlcapitulation mit Brandenburg und Pfalz zu erzwingen.Aber diese protestantische Anwandlung war rasch wieder verflogen;in einer Unterredung mit dem Kaiser, 2 ) zu der ihm Pfalz und

1) Pf. Ludwig an Friedrich, Regensburg 14. Okt. (Kl. II, 882);Wilhelm an seine Gesandten, 21. Okt. (Prinsterer I. 5, 300); an Fried-rich, 26. Okt. (Kl. II, 911 A. 2).

2 j Maximilian, der über diese schlimme Wendung der Sache in Be-stürzung geriet, hatte schon vorher in seiner offiziellen Beantwortung desAnbringena der weltlichen Kurff. vom 19. Oktober zu Ungunsten der