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aber im ausgedehntesten Mass verwirklicht werden sollten. Kirch-liche und politische Motive der verschiedensten Art trafen damalszusammen, um in Kursachsen eine gründliche Reaktion herbeizu-führen."
Schon im Jahr 1571 war das Vertrauen des Kurfürsten Augustzu seinen Theologen melanchthonischer Richtung und ihren Anhäng-ern erschüttert, war gegen sie der Vorwurf des verkappten Calvi-nismus mit bedrohlichem Nachdruck erhoben worden. Unter demSchutz der „Mutter Anna" sammelte sich die strenglutherischePartei und erwartete nur die günstige Gelegenheit, um den Kur-fürsten selbst über das verderbliche Treiben seiner geistlichen undweltlichen Ratgeber völlig aufzuklären. Wir bemerkten die kühleVorsicht, die August allen Bestrebungen entgegensetzte, die nacheiner protestantischen Unionspolitik aussahen; für den Abbruch derfranzösischen Heiratshandlung hatte jedenfalls auch die Kurfürstinihren Einfluss aufgeboten, gewiss nicht, wie die Franzosen meinten,allein aus Groll darüber, dass jenes frühere Projekt, ihre ältesteTochter einem Valois zu vermählen, gescheitert war. d ) Eine Reisedes kurfürstlichen Paars nach Dänemark (Sommer 1-572) scheintgleichfalls von den Orthodoxen ausgebeutet worden zu sein. Kurzvorher war das Gerücht aufgetaucht, Dänemark habe sich mit Spa-nien zu einem Angriff auf England oder Schottland verbunden. 2 )So unglaublich dies lautet, so dürfte es doch einen Kern von Wahr-heit enthalten, nämlich die Tatsache einer entschiedenen AbkehrDänemarks von Frankreich. Wenigstens machen die folgendenSchritte, die Kurfürst August zu einer förmlichen Herstellung seinerösterreichischen Freundschaft unternahm, eine ähnliche politischeSchwenkung bei seinem königlichen Schwager höchst wahrscheinlich.
Noch ehe die Bartholomäusnacht die entsetzliche Treulosigkeitdes französischen Hofs enthüllte, hatte der Kurfürst dem Kaiser-haus deutliche Zeichen seiner veränderten Stimmung gegeben. Ge-legenheit hiefür bot die Versammlung kurfürstlicher Räte zu Mühl-hausen (Juli 1572), die von Maximilian wegen seines eventuellen Bei-
1) Noch in seinem Sehr, an Heinrich III. vom 18. Juni 1580 kommtSchomberg auf den unversöhnten Groll der Kurfürstin zurück: „qui peulttout en son endroiet [beim Kurfürsten] et ne peult oblier l'mjure qu'eHetinst luy avoir est6 faicte ä cause de sa fille" (Pb. a. a. O.).
2) "Walsingham an Burghley, 29. März 1572 (Digges p. 183; vgl.Calendar 1572 p. 64). Dagegen hielt es Kf. Friedrich in s'jnem Sehr,an Kf. Anna vom 6. Juni für angezeigt, ausdrücklich darauf hinzuweisen,dass Spanien auch gegen Dänemark Böse im Schilde führe (Kl. II, 462).