79
St. Germain sehr übel auf; einige Zeit nachher wurden die Ver-handlungen, die über eine Verbindung Margaretha's von Valois mitdem König von Portugal gepflogen worden waren, in einer fürFrankreich höchst verletzenden Weise abgebrochen. Dafür durfteam Pariser Hofe der alte Verdacht wieder laut werden, Philipp IIhabe seine vorige Gemahlin Elisabeth, die ältere Schwester Mar-garetha's vergiftet. 1 ) Dazu kam das Misstrauen der französischenKegierung gegen die heilige Liga, die der Papst mit Spanien undVenedig zur Bekriegung der Türken schloss. Schon im Januar 1571äusserte Karl IX, falls dieser Bund zu Stande kommen sollte,werde er sich genötigt sehen mit England und den deutschen Pro-testanten eine Gegenliga zu bilden. Wenig später schien er fürden Plan gewonnen, Oranien mit hugenottischer Unterstützung los-schlagen zu lassen. Im Sommer trug Ludwig von Nassau sein Pro-jekt einer Teilung der Niederlande zwischen Frankreich, Deutsch-land und England dem König und der Königin-Mutter persönlichvor; er wagte selbst die deutsche Kaiserkrone dem Haus Valois alshöchsten Kampfpreis in Aussicht zu stellen. Dafür drohte der spa-nische Gesandte offen mit Krieg. 2 ) Trotzdem ging der Königvorwärts. Am 12. September erschien der grosse Todfeind Spaniens,der Admiral Coligny am königlichen Hoflager zu Blois; er wusstewohl, dass er unter gewissenlosen Gegnern sein Leben einsetzte,aber das Wagniss gelang und der Rebellenführer durfte fortan inden höchsten Fragen der Politik den Einfluss seiner gewaltigenPersönlichkeit geltend machen.
Liga und Gegenliga war die Losung. Aber es ist nicht zuverkennen, dass auf dem Verkehr des Hofs mit den neuen huge-nottischen Freunden noch eine unheimliche Befangenheit lag unddass in der wichtigen Frage der auswärtigen Allianzen die Rech-nung sich immer mehr als trügerisch erwies. Durch und durchtreulos war von vornherein die Politik des Grossherzogs von Tos-kana, der nur um jeden Preis die Gefahr eines Angriffs von sichablenken wollte; während ihn der König durch Fregoso direkt umUnterstützung Oraniens anging, während die kriegslustigen Huge-notten nicht nur Florenz, sondern auch Venedig und sogar den
1) Vgl. Froude X, 134 A. 2; Depeschen Petrucci's vom 8. 23. März1571 (Desjardins III, 651; 659).
2) Walsingham an Burghley, 12. Aug. 1571 (Digges p. 123 ff.); dieAeusserungen Graf Ludwigs über die römische Krone, die hier nicht er-wähnt sind, recapitulirt ein Memoire des Grafen für den König vom J. 1573(Prinsterer I. 4, 83/4*).