Druckschrift 
1 (1882) 1576 - 1582
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14

liehen Interesse und vollends von der theologischen Richtung seinesVaters war keine Ader in ihm.Nun bin ich," schreibt er selbst inseinen letzten Jahren,mein Leben lang ein armer Reitersknabegewesen und (habe) von Jugend auf gern "Wein getrunken." Ausseiner Knabenzeit blieb ihm vor Allem die imponirende Pracht desfranzösischen Hofs in lebhafter und freundlicher Erinnerung. Gernerzählte er auch eine kleine Geschichte, die nachmals aus Spasszum Ernst geworden ist. König Heinrich nahm einmal den kleinenPfalzgrafen auf die Knie und fragte ihn, ob er ihm später zehn-tausend deutsche Reiter zuführen wolle. Als der Knabe bejahte,rief der Hofnarr dem König zu:Majestät, Ihr zieht da einenFuchs gross, der Euch mit der Zeit die Hühner fressen wird."

Immer wieder zog es den jungen Fürsten nach dem lothrin-gischen Hof, an welchen ihn nicht nur die Freundschaft mit Karl,sondern auch eine Neigung für dessen älteste Schwester Renatafesselte. Aber die Herzogin-Mutter, die ihre Tochter mit Rücksichtauf ihre eigenen dänischen Ansprüche zu verheiraten trachtete,war der Werbung des Pfalzgrafen entgegen. Vergebens hielt JohannCasimir Jahre lang an dieser Hoffnung fest; 1 ) als sie geschwundenwar, machte er wie die meisten jüngeren Fürsten seiner Zeit einenerfolglosen Versuch, um Elisabeth von England zu werben. 2 ) Sowenig wie seine Heiratspläne gluckten ihm anfangs seine krieger-ischen Wünsche. Als er im Jahre 1565 mit seinem Oheim Reichardgegen die Türken ziehen wollte, versagte der Vater seine Zustim-mung, wohl aus Misstrauen gegen den lutherischen Reichard undgegen ein längeres Verweilen in kaiserlichen Diensten. 3 )

Im Kreis der kurfürstlichen Familie selbst trat der schroffeGegensatz zwischen Johann Casimir und seinem älteren Bruder früh

1) Ueber J. C. Werbung um Renata von Lothringen und die ander-weitigen Heiratspläne der Herzogin-Mutter vgl. James Melville, Memoirs(Glasgow 1833) p. 90; Eommel, Gesch. von Hessen V, 466 A. 7;Longuet Are. III, 252 ; Calendar of State Papers, Foreign Series, 1563p. 151/2; dazu Languet a. a. O. 25; 189; Ortloff, Gesch. der Grum-baehischen Händel I, 216; II, 264; Archiv f. sächs. Gesch. V, 32 A.44 ; Historisk Tidsskrift IV. 2 (Kopenh. 187072) p. 918/9.

2) Melville p. 90; 101 ff.; über anderweitige Heiratsprojekte Kugler,Herz Christoph II, 322 A.: Lang. Are. I, 18; Kl. II, 887; 916/7.

3) J. C. Anerbieten an Maria Stuart 1561, Melville p. 89; Gerüchtevon einem französischen Feldzug Cal. of St. P. 1562, p. 185; 264;Aeusserung Reichards (Seid 7. April 1565, Ma. 229/8; vgl. über Fried-richs Verbot Zasius an Baiern 15. Dez. 1567, Ma. 228/12).