Druckschrift 
1 (1882) 1576 - 1582
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

8

entschlossensten Widersacher des verhassten Fürsten zu bestärken,selbst gewalttätige Projekte unter der Hand zu fördern. Maximilianwurde nicht umgestimmt, wohl aber die protestantischen Fürsten,denen das Unternehmen gegen Pfalz mehr und mehr als ein päpst-liches Machwerk, als eine Bedrohung aller Evangelischen erschien.Der allzugrosse Eifer des Kaisers erweckte Verdacht und die kur-sächsische Politik gab den Ausschlag zu Gunsten Friedrichs.

Freilich hat sich die bekannte Erzählung, wonach KurfürstAugust durch die Unerschrockenheit des frommen Pfälzers mächtigergriffen worden wäre, als unhaltbar erwiesen. Solche Regungenlagen nicht in der Natur des ebenso harten als pfiffigen Wettiners,der vielmehr hier wie überall sein eigenes Interesse im Auge be-hielt. Der entscheidende Schlag gegen seine Todfeinde Grumbachund Johann Friedrich stand in nächster Zeit bevor; durch eineVerurteilung des Pfalzgrafen wurde die augenblicklich für Kursachsengünstige Constellation der Parteien in ganz unberechenbarer Weiseverschoben und verwirrt, vielleicht Friedrich selbst an die Seiteseines sächsischen Schwiegersohns gedrängt, ein grosser innererKrieg und die Einmischung des Auslands heraufbeschworen. a )Ueberdies stand August damals noch nicht unter der Herrschaft derUltralutheraner und sein äusserlich gutes Verhältniss zum Kaiserund zu Spanien machte ihn keineswegs blind gegen die gefährlichenNeigungen der habsburgischen Politik. Endlich hatte er auch geradein letzter Zeit am Wiener Hof nicht immer das erwartete Ent-gegenkommen gefunden. 2 ) Nun zog er sich aus dem pfälzischenHandel, der ihm von Anfang an zuwider war, mit der ihm eigenenSchlauheit. Den lutherischen Heissspornen gegenüber nahm er sichvor und auf dem Reichstag des verlästerten Pfälzers an, ohne seinerBekenntnisstreue etwas zu vergeben; dem Kaiser verbarg er nichtseine Abneigung gegen ein gewaltsames Vorgehen, schien jedochvöllig einzulenken. Als Maximilian ihn gewonnen glaubte, verliesser dann mitten in der Krisis den Reichstag und Hess durch seineRäte den kaiserlichen Plan ganz zu Fall bringen. Der Kaiser war

1) Diese Motive der sächsischen Politik zuerst richtig gewürdigthei Gillet, Crato von Crafftheim I, 373 ff. und Kl. Fr. p. 244.

2) Vgl. Archiv f. sächs. Gesch. V, 61 ff.; über die Verschleppungder voigtländischen Sache und die Ablehnung der sächsischen Ansprücheauf Magdeburg ebd. III, 295 ff.; Granv. IX, 617; ein Votum der RäteWeber und Zasius in der Gothaischen Executionssache Ma. 228/11; überdia vergebliche Werbung um eine Tochter des Kaisers für den Bruderder, Kurf. Anna Gillet I, 367.