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für die einzelnen Glossen zurechtgelegter Plan fehltfreilich. So kommt das schlimme Mißverhältnis zustande,daß nach vier Kapiteln die Hälfte des Gedichts schonüberschritten ist. Die Folge ist natürlich ein sich stei-gerndes Drängen zum Schluß, das die Glossen verkürztund teilweise ganz wegfallen läßt. Versagt also auchdie Stoffgliederung im ganzen, so ist doch im einzelnenein Bestreben des Dichters, rein der Länge nach einegewisse Harmonie der einzelnen Teile herbeizuführen,nicht zu verkennen. Ich erinnere namentlich an die Ab-schnitte der großen Pfianzenglosse und ihrer Antithese,wo eine solche Tendenz direkt nachzuweisen war. DieNeigung zur Symmetrie oder besser zum Schematischenist überhaupt charakteristisch für des Dichters mehrmathematische Natur; sie wird für ihn geradezu zumkünstlerischen Prinzip. Ich verweise wieder auf dieBlumenglosse, deren einzelne Teile, wie früher gezeigt,streng nach festen Schematen gebaut sind; ich erinnereferner an den parallelen Bau paralleler Abschnitte, dereinmal sogar bis in die gleiche Verszahl für eine Anzahlentsprechender Abschnitte ging (p. 123), an die stetswiederholten kurzen Inhaltsangaben am Eingang der ein-zelnen Glossen, an die mit pedantischer Genauigkeit ein-tretende Schlußformel am Ende des Kapitels, oft aucham Ende der Glossen, endlich an den eigentümlichen'Zwang der Nachbarschaft', der auf eben dieses Blattgehört. Stets ist es die Gliederung und zwar die inihrem Sinn kunstvolle Gliederung, die das Interesse desDichters hat.
Dieser überlegten äußeren Gestaltung entspricht dasBemühen, auch den inneren Bau des Textes vernünftigzu konstruieren. Die manchmal ziemlich disparaten Be-standteile der Glossen klaffen nie, sondern greifen imganzen geschickt ineinander. Man erwäge etwa, wie derGlosse zu Kap. 4 die Passion Christi ganz harmonischeingeflochten ist (vgl. p. 125). Selbst so heterogene Stoffe,wie die Pflanzenglosse und die Ausdeutung von Nebu-