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Kapitel II.
Metrik.
Die Untersuchung des Versbaues kann nicht demSchema folgen, nach dem gewöhnlich eine mhd. Dichtungbetrachtet wird, weil der Daniel einer neuen metrischenRichtung angehört.
In der Ordenslitteratur zeigen sich zwei metrischeSchulen wirksam, die beide die Silbenzahl als technischesPrinzip beim Bau des Verses heranziehen. Die erste istvertreten durch Hesler und Jeroschin, die bekanntlich anden Anfang ihrer Dichtungen, der Apocalypse und derPreußischen Chronik, metrische Abrisse gestellt haben.Beide setzen sich in scharfen Gegensatz zu aller voran-gegangenen Kunst, indem sie ein Maximum und Minimumvon Silben als entscheidenden Faktor für die Länge desVerses erklären. Jeroschin verlangt für den Normalvers6—9 Silben, sein Vorgänger Hesler gestattet prinzipiellnur 6—8, wenn er sich auch für gewisse Fälle neun-,sogar zehnsilbige Verse vorbehält.
Daß diese Festsetzungen einen Bruch mit der älterenmhd. Verstechnik bedeuten und einen neuen Weg an-bahnen, daß sie das Wesen des Verses angehen undnicht eine ziemlich gleichgültige äußere Zutat darstellen,erweist die zweite metrische Schule des Ordens, die einefeste Zahl von Silben als Norm für jeden Vers bestimmt.Dieser Schritt ist vorbereitet durch eine Regel Heslers,die bei Jeroschin wiederkehrt, daß nämlich die beidenVerse eines Reimpaares, von gewissen Freiheiten abge-sehen, die gleiche Silbenzahl haben sollen. Das ersteDenkmal der Art sind die Makkabäer, die den Acht-silbler durchführen; sie fallen ihrer Entstehungszeit nachzwischen Heslers Apocalypse und Jeroschins Chronik. Indiese Schule gehört auch der Daniel. Er führt im ganzenden Siebensilbler durch, ebenso wie vorher Tilo v. Culmin den Siben ingesigeln und später Claus Cranc in der