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Daniel, eine Deutschordensdichtung
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Kapitel V.

Der Daniel und die Vulgata.

Im Deutschen Orden bestand der Plan eines zusammen-hängenden deutschen ßibelwerkes, das sich ans Über-tragungen einzelner Stücke durch verschiedene Bearbeiterzusammensetzen sollte. Das erweist eine bedeutsameStelle in der Nachrede der Makkabäer: der Dichter sagt,mit seinem Werk sei die aide e beendet (14231 f.) 1 ); erwünscht, daß andere Stücke des Alten Testaments, dieetwa noch bearbeitet werden, den richtigen Platz vorseinem Werk erhalten, das immer den Schluß bildenmüsse (1423345); und er erwägt schließlich sogar denGedanken einer Verdeutschung der nuwen e (14249 ff.).Das Ganze klingt wie ein Programm, und die Stelle ge-winnt an Gewicht, wenn man bedenkt, daß der Verfasserder Makkabäer höchstwahrscheinlich kein anderer ist alsLuder v. Braunschweig selbst, jener starke litterarischeAnreger des Ordens, der auch den Daniel veranlaßt hat.

Überblicken wir, was von poetischen Bearbeitungendes Ordens auf uns gekommen ist, so springt die histo-rische Tendenz dieser Dichtungen deutlich ins Auge. Wirhaben die Bücher Esdras und Neemias, Hester, Judithund die beiden Bücher der Makkabäer, dazu ein Sammel-werk Historien der', alten e, das schon durch den Titelseine geschichtliche Richtung anzeigt 2 ). Von den zahl-reichen Schriften des Alten Testaments, die rein erbau-lichen oder poetischen Charakter tragen, hat, soweit wirwissen, nur der Hiob eine Übertragung gefunden. Aberbezeichnenderweise steht er am Ende dieser Periode

1) Die Makkabäer schließen bekanntlich den Kanon des A. T.

2) Wie ich einer freundlichen Mitteilung Kochendörffers ent-nehme, gehört auch diese Dichtung in die Epoche Luders von Braun-schweig und befaßt sich lediglich mit den historischen Büchern desAlten Testaments. Sie steht in der Hs. 907 der Kgl. und Univers.-Bibl.zu Königsberg, vgl. Goedeke, Grundriß P, 263.