— 168 —
der seine Halme zweigt und kreuzweis Rispen treibt unddie Dolden niederhängen läßt, zu dem die Vöglein kommentfnd mit Gesang und Schallen sich auf seinen Halmenwiegen und von seinen Körnern speisen, — aber es ist,als wenn es ihm nicht lohnt davon zu sprechen; es istnicht Freude an der Natur, die ein solches hübsches Bildhervorruft; nur deshalb ist es einmal so breit geworden,weil es eine so brauchbare Allegorie hergibt für denGottseligen, den die Engel des Himmels zu ihrem Wohn-sitz auserwählen.
Irdische Freude und Fröhlichkeit läßt er nicht gelten.Fast mit Gefiissenheit weicht er der Gelegenheit aus dar-auf einzugehen, obgleich es ihm leicht genug gemachtwird. Der Name Misach, den er allegorisch auszulegenhat, bedeutet ihm risus, ein lachen unverbrochen uz desherzen smekeit (3390 f.). Könnte die Glosse nun nicht,auch wenn sie im geistlichen Rahmen blieb, von denensprechen, die freudig sind in guten Werken oder fröhlichim Leiden? Nein. Er versteht darunter den, der denSünder bekehrt, zusammen mit dem Bekehrten, und ihrLachen hebt erst an, wenn sie ins Himmelreich ge-kommen sind. Erst die Ewigkeit kennt wahre Freude.
Es gibt auf der weiten Welt nur etwas Großes undHeiliges für ihn, das ist der Priesterstand. Darin liegtkein Ausfluß von Priesterstolz, es gilt auch nicht dereinzelnen Person. Im Gegenteil. Die einzelnen Priestersind genau so sündenbeladen und ebenso anklagenswert wiealle andern Menschen, eher noch mehr, weil der Dichterselbst in ihre Reihen gehört. Es hat etwas rührendNaives, wie er aus diesem Grunde ein dreifaches Strafenüber sie und über sich selbst anheben zu müssen glaubt,wo bei andern ein einfaches genügt. Wie hier tritt auchsonst zu Tage, daß er den Stolz in sich bekämpft undnach Demut ringt. „Könnte ich doch alle Hoffärtigenbekehren. Wie wollte ich vor Gott prangen und ihmWohlgefallen," entfährt ihm einmal der Wunsch (4772 ff.).Aber kaum gesprochen, ist das zu stolze Wort ihm wieder