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Daniel, eine Deutschordensdichtung
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treibt ihn doch andererseits, oft und eindringlich denBesitzenden dazu aufzufordern, wohlzutun und mitzu-teilen. Voller Zorn greift er den geizigen Reichen an,der abwechselnd weiß und rot wird, wenn ihn ein Armerangeht, der nichts gibt, weil er selbst an den Bettelstabzu kommen meint, und schließlich den Hungernden mitdem wohlgemeinten Rate abspeist, sich an Gott denHerrn zu wenden. Und wenn er den ungerechten Richteranklagt, ist nicht der geringste Grund der, daß eben dieBesitzlosen dem bestechlichen Richter erbarmungslos aus-geliefert sind. Bis in die geistlichen Exempel hinein läßtsich verfolgen, wie ihn das Verhältnis von Arm undReich beschäftigt. Der selbsüchtige Reiche, der seineScheuern gefüllt hat und sorglos dahinlebt, ohne an dasGericht zu denken, der reiche Mann und arme Lazarus,die beide ihren Lohn im Jenseits empfangen, Christus,der am Tage des Gerichts die Anklage erhebt: ich binhungrig gewesen und ihr habt mich nicht gespeist,das sind Geschichten, die er gern erzählt.

Der Dichter hat überhaupt etwas, was man heutesoziales Empfinden nennen würde. Die Wohltätigkeitist ihm nicht, wie die milte zur höfischen Zeit, eineTugend, die ihren Besitzer auszeichnet, sie ist ihm schlecht-hin eine sittliche Pflicht, die Gott als etwas Selbstver-ständliches an den Besitz des Gutes geknüpft hat, dieso von selbst gegeben ist wie das Früchtetragen beieinem guten Baum. Bezeichnender noch ist ein anderes:die eminente Hochschätzung, die er dem Bauernstande zuteil werden läßt. Er weiß, daß seine Tätigkeit allenandern Ständen die Grundlagen ihrer Existenz schafft,und zieht mit einer für einen mittelalterlichen Dichterimmerhin bemerkenswerten Entschiedenheit die Konse-quenzen daraus: wie des Bauern Pflicht die Arbeit, soist des Herren Pflicht, ihm Frieden und Schutz für seineArbeit zu geben. Er kann seine Achtung vor demBauernstande nicht drastischer illustrieren als wenn er1811 ff. in dem Bibelspruche: herre, du teilt dir hüten die