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Daniel, eine Deutschordensdichtung
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drossenheit alles tadelt, sondern ein Eiferer, dem es ge-wissensernst ist mit seiner Mission. Seine Anschuldigungennehmen dann greifbare Gestalt an, ganz realistischeBilder tauchen auf, namentlich wo es gegen den Verfallder weiblichen und der geistlichen Zucht geht: die Frauhat die Treue vergessen, sie ist auf Ehebruch aus undbestellt mit einem Augenzwinken den Buhlen (2892 ff.),das Mädchen vergißt Sitte und Scham in der Ausge-lassenheit des abendlichen Tanzes und Ballspiels auf derGasse (2924ff.). Drastisch schilt er:

2926 glich schertzit ir den pferden,

ringen, springen hozzet vort.uwer munt gibt hose icortvil nie dein ein roslcnecht tut.

Nicht anders ist es mit der geistlichen Zucht: die Prie-ster verwüsten den Weingarten des Herrn, statt ihn zubauen (3066 ff.), die Prediger reden der Welt zu Gefallen,um Gaben zu erlangen, nehmen wohl gar gestohlenes Gut,von dem sie in der Beichte erfahren (2658 ff.). KeinWunder, wenn der Laie säumig wird und ihre Bußgeboteauf Jahre hinausschiebt: ' 'gebuzet han wir schiere', sprechentsie, 'wen ivir nu alt werden' (3168 ff.).

Hauptlaster ist für ihn wie für das ganze Mittel-alter der Hochmut, in welcherlei Gestalt er sich auchäußern möge, ob als Pharisäertum gegenüber den Un-glücklichen, die in Todsünden verfallen sind, oder alsHartherzigkeit gegenüber den Armen und Schwachen.Hohen mut treit niemant mer ivand die von nickte Jcumen,sagt er 4872 f. mit guter Beobachtung. Hoffart undGeiz sieht er gern nebeneinander, beide sind gleich ver-dammenswert, weil die Armen gleich unter ihnen zuleiden haben.

Denn für die Armen hat er wirklich ein Herz,einer der wenigen freundlichen Züge, die in seiner Phy-siognomie zu finden sind. Das hindert ihn zwar nicht,auch über sie gelegentlich den Strom seines Scheltens zuergießen, davon bleibt eben keiner verschont; aber es