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Daniel, eine Deutschordensdichtung
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Daniel nicht selten nennt 1 ), erzählt an zwei Stellen vonder Kraft des Diamanten, der nur durch Bocksblut er-weicht werden kann (8,100ff. 125,45ff.); dieselbe Ge-schichte lesen wir Dan. 3246 ff., doch ohne daß sprachlicheAnklänge vorlägen. Wie Mart. 16, 5 erscheint auchDan. 2036 Beda in dem besonderen Lichte als Lehrerkeuscher Jungfrauen. Vergleichbar mit der großenPflanzenallegorie Dan. 1671 ff. ist die Allegorie vom Tu-gendbaum, dessen Zweige 15 Tugenden bedeuten,Mart. 252,19 ff. Dasselbe allegorische Motiv begegnetauch schon Mart. 24. 67 ff., wo von dem Schapel der Hei-ligen erzählt wird, das mit den Blumen der Demut, Treue,Mäßigkeit, Barmherzigkeit und des Gehorsams geschmücktist. Für schlagend halte ich die genannten Berührungenzwischen der Martina und dem Daniel nicht, und dieFrage muß offen bleiben, ob der Daniel die Martina ge-kannt hat und das auffällige Übereinstimmen jener 4 Verseauf diesem Wege zu erklären ist.

Beziehungen des Daniel zu andern Werken, die denDanielstoff behandeln, habe ich nicht finden können. InBetracht kommt zunächst die Weltchronik des JansenEnikel (Mon. Germ. Deutsche Chron. Bd. III), der 16933 ff.denselben Stoff sehr breit mit teils legendarischen, teilshistorischen Erweiterungen darstellt und sich weit vonder biblischen Erzählung entfernt. Die Rudolfische Welt-chronik und die Christherre-Chronik kommen nicht inFrage, weil sie zu früh abbrechen. Von den Fortsetzungenist in erster Linie das Werk Heinrichs v. München zunennen 2 ). Er erzählt am Eingang des fünften Weltaltersdie Geschichten von Daniel und zwar ganz frisch undmit größerer Lebhaftigkeit als unser Dichter. Seine Er-zählung hält sich enger an den Bericht der Bibel, aberauch er verzichtet wie Enikel größtenteils auf die apo-

1) Mart. 105,68. 158,14. 196,65. 197,106.

2) Ich habe die Vergleichung vorgenommen nach der BerlinerHs. fol. 1107, p. 338 ff.