Druckschrift 
Daniel, eine Deutschordensdichtung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

120

gemein die Christenheit einem Garten verglichen, den derGärtner Christus gepflanzt (H. v. Neustadt, Got. zuk.4137 ff.), sondern man findet ganz spezialisierte Allego-rieen 1 ). In jedem Fall bezeichnen die Blumen gute Men-schen oder ihre Vorzüge. Wir haben es also mit einerTugendallegorie zu tun, die in eine Reihe mit den im Mittel-alter so beliebten Tugendbäumen (Mart. p. 634), Tugend-burgen (Reinbots Georg 5751 ff.) u. a. gehört. Eine solcheTugendallegorie erkannte der Dichter als sehr geeignetfür seinen didaktischen Zweck, und er fügt sie geschicktder allgemeinen Glosse ein. Die Geschichte erzählte:Nabuch. setzt auf das Feld Duram seine Säule, die allesanbeten muß, d.h. allegorisch: der Teufel bringt in dieWelt die Wollust. Wollte der Dichter in diesem Zu-sammenhang seine Tugendallegorie unterbringen, so mußteer scheiden, vor und nach dem Erscheinen des Teufels.Er sagt also: bevor er kommt, ist die Welt bedeckt mitden Blumen der Tugend, was sofort die Antithese be-dingt : und nachher verdorren sie an der "W ollust desTeufels. Er stellt deshalb seinen 15 Tugendpflanzen 15verderbte Blumen scharf pointiert gegenüber; und zummindesten diese Antithese ist gewiß als Eigentum desDichters anzusehen, weil sie nur aus der eigentümlichenVerwendung, die die Tugendallegorie hier fand, erwachsenkonnte. Daß er übrigens auch in dem ersten, positivenTeil der vorauszusetzenden Quelle frei gegenübersteht,zeigt schon die Anordnung. Er sagt 1681 ff. von demFelde: ez treit blumen, vidi, de, gras, ivurtze, nezslen, diesie, rosen, lylgen, boume, dorn, wetze, gerst, haber, hörn.

versarum virtutum repcriuntur. Wackernagel, Altd. Pred. p. 145:nu kum her suezer gemahele. min garte ist wol gebluemit mit allirhande tagende manicvalt.

1) So stimmt die Allegorie, die Wackernagel, Kl. Sehr. I, 213mitteilt, nicht im Inhalt, aber in der Anlage genau zum Daniel: diesamnung (der geistliche Konvent) sol ain seliceniu wise sin, uff dermänger hande bluomen wachsen und schinnen sol. Da sol sin lyligantzer kiunschkait. Da sol si ain ros brennender minne und vestergedultkait. Da sol sin ain viol rehter demuetkeit etc.