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der einen Seite die Tendenz am "Wort der sakrosanktenSchrift festzuhalten, auf der andern ein gewisses Streben,eigene Tätigkeit zur Geltung zu bringen und sich zwarim ganzen nicht vom Sinn, wohl aber von der äußerenForm der Vorlage, von Wortlaut und Anordnung, zuemanzipieren. Freilich bewegen sich die Abweichungen,die er sich gestattet, in sehr bescheidenen Grenzen, oftgenug sind sie rein äußerlich hervorgerufen durch denZwang der poetischen Form. Aber damit ist nicht alleszu erklären. Er hat vielmehr eine gewisse Distance undKritik auch dem Bibeltext gegenüber und fühlt sich ihmnicht an allen Stellen gleich verpflichtet. Die größteFreiheit gestattet er sich in Gebeten und Lobgesängen(z. B. 698—705 = 2,20—23; 1414—26 = 3,42—45;1465—79 = 3, 52—56) 1 ), weit geringere in den apoka-lyptischen Visionen (z.B. 759ff. = 2,31 ff.; 5720ff. =7, 2 ff.), und man versteht einen solchen Unterschiedsehr gut. Da der Dichter die Visionen meist in geistli-chem Sinn deutet, werden es für ihn heilsgeschichtlicheWeissagungen, in denen natürlich jedes Wort heilig ist.Ehe die folgenden Abschnitte auf die selbständigenAbweichungen von der Quelle genauer eingehen, mögedas erste Prinzip, die Treue zum Wort, etwas näher be-zeichnet werden. Sie bindet sich nicht an die Sinnschweredes zu Übersetzenden, sondern gibt selbst Synonymamanchmal gewissenhaft wieder, z.B. 611 ff. so sult ir grozIon entpfan von mir, ivirde sundir ivan mit gäbe = praemiaet dona et honorem multum accipietis a me. Sie scheutsich nicht, den Zusammenhang der Vorlage völlig zu ver-kehren und die Worte in eine ganz andere Verbindungzu bringen, wenn nur keins dabei verloren geht, z. B.
1) Hie und da ist dem Dichter freilich vielleicht schon seineQuelle mit diesen Kürzungen und Umgestaltungen vorangegangen; vgl.p. 102 f.