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Die Fortschritte, die der Dichter im Übersetzenmacht, sind von Kapitel zu Kapitel zu verfolgen. Inden Anfangskapiteln herrscht umständliche Breite, diesich dem Wortlaut der Schrift noch garnicht anzupassenweiß und fast den Eindruck eines beabsichtigten freierenSchaltens hervorrufen könnte, wenn eben der Dichternicht zusehends mehr auf eine knappere Übersetzung hin-arbeitete. So kommt es, daß die Schlußkapitel formaleinen weit engeren Anschluß an die Vorlage zeigen alsder Anfang, ohne daß daraus mit Notwendigkeit auf einenWechsel der Tendenz zu schließen ist. Dazu stimmt, daß zuAnfang die Neigung sehr gering ist, auch auf den syntakti-schen Bau der Quelle einigermaßen einzugehn. Aber dasnimmt deutlich zu; und mehr am Schluß begegnet es häufiger,daß die Verse des Dichters nur eine durch leere Reim-zusätze verkappte Prosa darstellen, die wortgetreu undauch syntaktisch genau das Lateinische wiedergibt, wiein folgendem Beispiel:
7895 'danket dich nicht dag Bei si Dan. 14, 5 Non videtur tibi
lebende ein got (vri)? esse Bei vivens deus! An non
oder siestu nicht ici vil vides quanta comedat et bibat quo-
sin mimt alle(r) tage (zil) tiäie?izzet, trinket (hie gevach)?'
lachende hin wider sprach Dan. 14, 6 Et ait Daniel ar-
do Danyel (gar vruntlicli) : ridens: Ne erres, rex: iste enim
'o kunic, nicht irre dich ! intrinsecus luteus est et forinsecus
dirre abgot ist (vorivar) aereus neque comedit aliquando.binnen hör, uzwendic (dar)erin unde izzet nicht.'
Diese Praxis, die gegen Ende des Buches öfter er-scheint, mochte für den Dichter das Ideal des Übersetzensdarstellen.
Wie die äußeren Formen der Wiedergabe, ist auchdas Verhältnis des Dichters zum Inhalt seiner Vorlagenicht fest. Von der Unmöglichkeit jedes Wort wieder-zugeben, überzeugte er sich schnell, und von dem Augen-blick an wird seine Stellung zum Text eigentümlich be-stimmt durch zwei miteinander streitende Prinzipien: auf
Palaestra CI. 7