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poetischer Übersetzungen: erst als man mit den historischenSchriften des Alten Testaments zu Ende war, wandte mansich anch anderen Büchern zu. Und wenn unter diesenals erstes der Hiob übertragen wurde, so ist auch daskein Zufall. Wir wissen, daß neben der historischenauch die lehrhafte Dichtung im Orden Pflege fand, undzwar vornehmlich eine religiöse Fragen erörternde Rich-tung des Lehrhaften, die sich auch der Moraltheologieund Apologie annahm 1 ). Dieser litter arischen Richtung,deren Hauptwerk Heslers Apokalypse ist, muß der Hiobzugezählt werden.
Nach dem, was sich über die historischen Tendenzendieser Übersetzungs-Litteratur erkennen läßt, liegt die An-nahme nahe, daß der Hochmeister die Bearbeitung dieseseinzigen Propheten angeregt habe um des starken ge-schichtlichen Gehaltes willen, der namentlich in den Vi-sionen lag, wenn sie richtig gedeutet wurden. Freilichhat unter den Händen unseres Dichters das Werk einganz anderes Aussehen gewonnen.
Noch in einer anderen Beziehung ist es nötig, denDaniel in größerem Zusammenhange zu sehen. Es ist ganzinteressant, wie sich innerhalb der Ordenslitteratur dasVerhältnis zum biblischen Text ändert. Während diealten Weltchroniken, auch wo sie biblische Geschichtenerzählten, gar keinen Wert auf Authenticität legten,sondern viel lieber nichtkanonischen Quellen folgten,stellen die poetischen Bearbeitungen des Ordens denBibeltext in den Mittelpunkt, um ihn aus anderen Quellenbald mehr, bald weniger zu erläutern und erweitern, jenach den Interessen und dem Wissen der einzelnen Dichter.Aber auch das wird bald überwunden: der Custos der Mi-noriten Claus Cranc, der auf Veranlassung Siegfrieds vonDahenfeld (1347—59) gearbeitet hat, verzichtet in seinerÜbersetzung der Propheten abgesehen von der poetischen
1) Über die Pflege der didaktischen Litteratur im Orden unter-richtet kurz Zacher, Zs. XIII, 507 f.