294ben die letztern den Vorrang. Der Lehrer kanndas unmöglich gleich beurtheilen. Er sieht indie Zukunft nicht. Und eben deswegen theilter sein Lob ungerecht aus, wenn es nur den er-stern zu Theil wird. Oder er wird doch in dieNothwendigkeit gesetzt, hin und her zu schwan-ken. Sollt'er also nicht lieber sparsamer mitLobeserhebungen ſeyn?Venn er aber gar ein Kind bloß deswegenlobt, weil es einen Fehler unterlassen hat; soist dies noch ungleich zweckwidriger. Unterlas-sene Fehler sind ja noch lange keine Tugenden.Ich kann mir's ja nicht zum Verdienst anrech-nen, daß ich kein Dieb und kein Mörder bin.Wollt' er also auch hier (wie es doch leiderso häufig sich zuträgt) keine Lobeserhebungenschonen — wollt' er unaufhörlich die Formelnin Bewegung halten: „Sieh einmal deinenNachbar an! Wie verhält sich der nicht so ru-hig! Wie lernt der nicht so fleißig! ꝛc.” sowürde er sicher Pharisäer bilden, welche sichhinstellen, und beten: Ich danke dir, Gott,daß ich nicht bin, wie andere LeuteMerken*) Vergl. den Aufsatz: Hoffnung und Furcht, Lobund
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2 (1791)
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294
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