176lichkeit zum Gesetze erhoben hat, wird daher auchdann erst von ihnen beobachtet, wenn ihre edlernSeelenkräfte mehr Stärke erhalten, und ihrepractischen Kenntnisse sich erweitert haben. Undheißt es nicht also ihre Natur verdrehen, wennman verlangt, daß sie schon als Kinder den Er-wachsenen den Rang ablaufen, und alle jene Fehler durchaus vermeiden sollen?Gehen Sie doch nur einmal selbst in Ihr ju-gendliches Leben zurück! Oder fragen Sie dieje-nigen, unter deren Augen Sie aufwuchsen! Ichbin überzeugt, Sie haben die nämlichen Fehleran sich gehabt. Der Character der Kindheit istallgemein, weil das Uebermaaß der körperlichenKräfte in der Kindheit allgemein ist. Die zahl-losen Abstaffungen in den Characteren der Men-schen bilden sich erst nachher durch die Verschieden-heit der Erziehung, des Umgangs, des Standes,der Erkenntniß u. s. w. Und warum eifern Siedenn aus Unverstand so sehr gegen die Unvollkom-menheiten los, die von dem Gedanken der Kind-heit überhaupt nicht zu trennen sind, und die sichvon selbst in eben der Stuffenfolge verlieren, inwelcher man von der Kindheit sich entfernt, undzu reiferm Alter gelangt? Müssen Sie nichtnoth-
Druckschrift
1 (1790)
Seite
176
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten