65Fünfter Brief.An Herrn Schullehrer E***So viel ich höre, mein Freund! sollen Sieganz und gar nicht in Ihrem Fache seyn, nicht,weil es Ihnen an natürlicher Geschicklichkeit, son-dern, weil es Ihnen an Lust dazu fehlt. Mansagt mir von allen Seiten, daß Sie sehr gutProzesse zu führen wissen, und sich niemals seli-ger fühlen, als wenn Sie sich von gerichtlichenActen umlagert sehen. Und — was noch mehriſt — man verſichert mich, daß Sie darübernicht nur Ihr eigentliches Amt oft vernachläßi-gen, sondern auch dann, wenn Sie in der Schu-le erscheinen, es mit der sonderbarsten Trocken-heit von der Welt verwalten. Ihre Unterweiſun-gen und Ermahnungen sollen durchgängig imKanzleistyt abgefaßt seyn, und sich durch die er-müdendste Weitschweifigkeit auszeichnen. Immersoll es scheinen, als wenn Sie einen Prozeß ein-leiten wollten; und die Kinder sollen daher oftnicht einmal wissen, was sie weder von Ihnennoch von der Sache zu denken haben, mit derenErläuterung Sie sich beschäftigen. Uebrigensaber
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1 (1790)
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65
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