108Sind Sie nun davon überzeugt — wiezweckwidrig werden Sie es dann nicht finden,wenn man den Kindern schon in ihren zärternJahren einen kaum übersehbaren Vorrath von all-gemeinen Ideen überliefert, ohne auch nur im ge-ringsten daran zu denken, daß solche Ideen derZergliederung bedürfen! Man spricht ihnen vonPflicht und Tugend, von Billigkeit und Gerechtis-keit, von Natur und Kunst, und unzähligen an-dern Dingen so vieles vor, daß sie mit der Zeitglauben lernen, sie wüsten, was darunter ver-standen werde. Und wie sehr wird nicht dadurchder Geist des Nachdenkens erstickt!Wenn man zumal im Religionsunterricht diehergebrachte Terminologie immer noch beibehältwenn man die Formeln von Erleuchtung, Rechtefertigung, Wiedergeburt u. s. w. immer imMunde führt, als wenn man geborne Theologenvor sich hätte — wie leicht werden nicht dadurchdie Kinder daran gewöhnt, sich mit dem bloßenSchalle der Wörter zu begnügen! Ich bin weitdavon entfernt, die Wahrheiten zu leugnen /die unter diesen eingeführten Ausdrücken verbot-gen liegen. Aber ich sehe nicht ein, warum schonso zeitig das Gedächtniß der Kinder damit belä-stigt
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