59das Wesen aller wahren Religiosität. Sie müssenalso freilich auch, so oft es nöthig ist, mit liebe-pollem Nachdruck auf diesen Gehorsam dringen,und Ihre Zöglinge daran gewöhnen, daß sie ihrzuweilen auch unbedingt Ihnen erweisen. Nurhüten Sie sich dabei überhaupt vor dem ewigenBefehlen und Verbieten. Wenn Sie es nur aufirgend eine Weise veranstalten können, daß sie et-was thun oder unterlassen, ohne daß Sie es ge-rade befohlen oder verboten haben; so ist diesesungleich vernünftiger und zweckmäßiger, alswenn Sie unaufhörlich den gesetzgebenden Mo-narchen spielen. Immer handelt der Mensch lie-ber frei, als gezwungen, und dabei wird es auchwohl bleiben, so lange es Menschen giebt. Zu-dem aber dürfen Sie auch, indem Sie auf Ge-horsam dringen, nie die geringste Spur von Lei-denschaft äussern, wie es doch bei dem „inFurcht halten“ fast nothwendig geschehen muß.Ihr Wesen sey gravitätisch, aber ungekünstelt,undIhre Miene in jedem Falle, wenn ich mich soausdrücken darf, durchgedacht. Sie haben esmit Kindern zu thun, bei denen die Sinnlichkeitnoch bei weitem das Uebergewicht hat, und diemithin auch auf alles Aeussere vorzüglich aufmerk-ſansind. Ich fordere also nicht, daß Sie, in-dem
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1 (1790)
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