15- und 16. Jahrhundert. IO9
vom Besitzer an Stelle eines Exlibris nicht auf ein be-sonderes Blatt, sondern direkt auf eine Textseite alsBesitzzeichen hinaufgedruckt, gestempelt wurde, wie einsolcher Abdruck in einem Beiband, Folio, Incunabulasine anno 137. a. (Tract. artis moriendi) von c. 1475der kgl. Hof- und Staatsbibliothek zu München beweist.Dieser Stempel in seiner spitzovalen Form charakteri-siert sich in Uebereinstimmung mit unzähligen ähnlichenSiegeln geistlicher Personen deutlich als das Siegel desPfarrers, zumal auch am Anfang der Legende das üblicltc»S« = Sigillum steht; dieses Siegel ist analog vielengleichgearteten Siegeln unter die sog. »Porträtsiegel«einzureihen, da die unten knieende Figur den PfarrerJohann darstellt, der vor dem Patron seiner Kirche, demoben befindlichen heiligen Moritz, kniet.
Gilhofer und Ranschburg, Wien, nennt in seinem54. Katalog, No. 471, den Abdruck, nach oben ange-gebenen Quellen, den ältesten Formschnitt mit Datum;einige andere Quellen sprechen ebenfalls direkt vonHolzschnitt. Dieser Stempel ist merkwürdigerweise auchim Original erhalten geblieben, was bisher allgemein nichtbekannt war; er befindet sich auf der kgl. Hof- undStaatsbibliothek München und ist thatsächlich ein saubergeschnittener, gut erhaltener Holzstock.
Ueber die Zeit herrscht trotz der Datierung eben-falls Uneinigkeit, da Schreiber »1507« statt »1407« ver-mutet, (iilhofer und Ranschburg >c. 1472« datiert undExlibris Ana a. a. O. »1470—1480« annehmen. NachSchreiber soll der Pfarrer Johann der Familie von Schellen-berger entstammen, nach den Exlibris Ana soll der dar-gestellte heilige Moritz das Wappenbild der Schellen-berger sein; doch Hess sich hiefür kein Beleg finden,