Über deutsche und englische Heraldik. 35
wirkliche Flügel, Hörner und Zweige oder aus Leder,Holz, Tuch, Blech etc. hergestellt. Später kamen nochFiguren, Hüte, Mützen, Schirmbretter etc. hinzu. Ur-sprünglich waren die Zimiere wechselnd, d. h. ein unddieselbe Person, sowie andere Familienmitglieder trugennicht immer gleichen Helmschmuck; erst in der zweitenHälfte des 14. Jahrhunderts werden die Helmzierdenerblich und für ein Geschlecht oder eine Linie gleich-massig.
Ein im deutschen Wappenwesen oft vorkommendesZimier sind die Stierkörner, die oft falsch beurteilt wer-den (z. B. im englischen Exlibris-Journal, Dezemberheft1893). Sie sind weder Elefantenrüssel, proboseides, nochchaluraeaux (wie Warrens Guide sagt), noch Blashörner,sondern die Hörner des Auerochsen und des gewöhn-lichen Stiers, die schon bei den alten Germanen in derältesten Zeit mitsamt der Kopfschwarte auf dem Helmegetragen wurden, um ein martialisches Aussehen her-vorzurufen und dem Kopfe mehr Schutz gegen Hiebezu bieten. Erst in der Verfallzeit der Heraldik gabman den Hornspitzen oben Mundlöcher, in die manFedern, Fähnchen etc. steckte. Man hatte die ursprüng-liche Bedeutung des Stierhorns vergessen und bildetediesen Schmuck Jagdhörnern nach. Wer aber auf seinemFamilienhelm Stie'rhörner vererbt erhalten hat, bilde sieauch als solche mit spitzigen Enden dar und lasse diefehlerhaften Mundlöcher weg.
Wulst und Helmkrone vermittelten die Verbindungvon Helm und Zimier.
Die ältesten Helmdcckcn waren ein kurzes Tuch,das wirklich als Nackenschutz gegen Hitze und Regengetragen worden ist; gezeichnet wurde es hängend oder