ihnen mißfiel — ich wußte wohl, was ich wollte, wenn ich auch nicht weiß,was ich erfuhr. Du warst der einzige, der mich trug und trägt, ich könnte
von mir selber lassen, nur nicht von Dir.-------
Und nun lebe wohl, mein süßgeliebtes freundliches Herz, zu dem die Heidenbeten, ohne es zu wissen. Dein schönes Leben soll eine ewige Kette von Wohl-taten folgenden Geschlechtern werden. Und wie Du stehst und Zeiten, Ge-schlechter und ihre Schicksale, wie Dein eigenes Leben als eines aus dem andernruhig übersiehst:
So laß sie gehen, laß sie streitenUm schwere Kronen und leichten Kattun;Sie wissen nicht, was sie bereiten,Nicht, daß sie deinen Willen tun.
(Bekenntnisse Zelters zu Goethe, 1814 und 1827.)
LUDWIG IL UND WAGNER
Ludwig IL ist keine mythische Gestalt, welche die Kräfte des Zeitalters ver-sinnlicht, aber er ist der Ausdruck einer mythischen Gewalt, welche dem19. Jahrhundert fremd und beziehungslos gegenübersteht. Als er mit 18 Jahrenden Thron bestieg, konnte sich niemand dem Zauber dieser Persönlichkeit ent-ziehen, deren Würde mit den konventionellen Formen der europäischen Dy-nastien nichts gemein hat. Er ist nicht der erste Diener des Staates, sein Ehr-geiz nicht die höchste politische Macht um ihrer selbst willen, er fühlt sichauch nicht als Personifikation des Staates; denn bei aller Prachtliebe repräsen-tiert er nicht. Man fühlte, daß man ihn nur mit Gestalten fremdester Zeiten,mit Werken frühhellenischer Plastik vergleichen konnte. In Wahrheitspricht eine unbändige und elementare königliche Leidenschaft, ein Triebnach höchster Schönheit und wunderbarer Fülle, wie ihn wohl die orientali-schen Großkönige verbildlichen, aus ihm. „Wo er vorüberschritt, sah mandas Königtum schreiten", so ungefähr versuchte damals ein Franzose den Ein-druck seiner Erscheinung wiederzugeben.
Seine Regentenpflichten hat er in späteren Jahren sehr vernachlässigt. Die„öffentliche Meinung" Deutschlands beschmutzte sein Bild, die klerikalePartei spielte mit dem Gedanken seiner Absetzung, aber es ist tröstlich zusehen, daß Volkstümlichkeit etwas ganz anderes ist, als Partei und öffentlicheMeinung: Ludwig blieb populär bis zum grauenvollen Ende, das Volk liebteden Begnadet-Unseligen und fragte nicht nach Steuerlast und Wirtschafts-politik. Es fühlte, daß eins notwendiger ist als der Staat: das menschlicheUrbild, das die Ahnung des Göttlichen erweckt — und es umgab das Hauptseines „Sonnenkönigs" mit mythischer Verehrung.
Ludwig blieb seiner Sehnsucht bis zum Ende treu, aber unmöglich konnte ersein unzeitgemäßes Wunschbild im 19. Jahrhundert verwirklichen. Er warzum Könige geboren, nicht zum Künstler, und es gab keine Künstler, dieseinen undeutlichen, aber brennenden Traum hätten gestalten können. Daßer sich schon als Knabe dem stärksten Künstler der Zeit ergab, beweist sein
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