setzt und Dichterfürsten nennt. Ja, Fürsten-, das ist Despotendichter sollteer eigentlich heißen."
Wie wahr wie wahr das alles, und wie heilsam wäre es, solche Gesinnung —nicht zu verbreiten, sie ist verbreitet genug — sondern den Mut zu verbreiten,sie auszusprechen. Goethe ist der König seines Volkes; ihn gestürzt, und wieleicht dann mit dem Volke fertig zu werden! Dieser Mann eines Jahrhundertshat eine ungeheure hindernde Kraft, er ist ein grauer Star im deutschen Auge,wenig, nichts, ein bißchen Hörn — aber beseitigt das, und eine ganze Weltwird offenbar. Seit ich fühle, habe ich Goethe gehaßt, seit ich denke, weiß ichwarum. (Ludwig Börne, Briefe aus Paris, 1832.)
WILHELM VON HUMBOLDT
Rahel sagte von Humboldt, er sei von keinem Alter, gehöre keinem an. Werihn wirklich gekannt, wird diese inhaltvolle Bemerkung von tiefer Wahrheitfinden. Die verschiedenen Lebensalter, welche sonst wohl denselben Menschenin ganz entgegengesetzten Gestalten zeigen, waren in Humboldt von geringerKraft und bezeichneten nur äußerliche Unterschiede. Humboldt war nichtjung, weil er sechzehn, nicht alt, weil er sechzig Jahre zählte; nicht die Zeitentraten in ihm hervor, er nur in ihnen, und Humboldt der Knabe wie Humboldtder Greis war vor allem Humboldt, dies wesentliche Gepräge stand in ihm,alle Jahreszahlen hindurch, unverändert fest.
Man kann auf diesem Grunde weitergehen und hinzufügen, daß Geist undCharakter in ihm sich ganz unabhängig von seinem äußeren Lebenslauf aus-gebildet haben. Seine Geburt hatte ihn glücklich auf eine Bahn gestellt, wodie beste Bildung seiner Zeit ihm begegnen konnte und ihm für deren Aneig-nung Freiheit und Muße gegeben war. Dieser erste Glücksfall genügte, es be-durfte nun weiter keine Gunst, als die er aus eigener Entwicklung schöpfte;der Keim hatte Boden und gedieh unwiderstehlich aus sich selber. Wohl er-fuhr Humboldt in Weltverhältnissen und Lebensgeschicken fortwährend aus-gezeichnete und seltene Förderung, er gelangte zu der höchsten Wirksamkertund Ehre, zu dem ruhmvollsten Ansehen, auf den größten Schauplatz er-hoben, stand er als glänzende Erscheinung da, und früh war ihm alles reichdargeboten und leicht bereitet: aber bestimmen taten diese Glücksfalle nicht>n ihm, sie konnten sein Inneres nicht bereichern, noch bedingen, dies war>n sich fertig und wirksam, und hätte auch in Bedrängnis und Unglück nachseiner Eigenheit sich entfaltet und dargetan, beschränkter, dunkler vielleicht,doch immer als dasselbe.
Wir brauchen daher, um Humboldts Charakterschilderung zu geben, nichtgerade seinen Lebenslauf zu begleiten, dessen äußere Ereignisse ohnehin durchReichtum und Bedeutung weit über die Grenzen unseres gegenwärtigenZweckes hinaus liegen und für sich allein schon den Stoff einer wichtigenund lehrreichen Biographie geben. Wenn von irgendwem, so kann von Hum-boldt gesagt werden, daß er seine Lebensumstände gemacht habe, daß seinGeist fessellos über ihnen waltete, die dargebotenen Loose nach seiner Weisef assend, manche verschmähend, allen gewachsen, den meisten überlegen;
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