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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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neten zu meiden habe. Er war eine echt friesische Gestalt, hochgewachsen,breitschultrig, mit großen, nicht eben schönen, aber energischen Gesichtszügen.Sein Heidelberger Biograph vergißt nicht, hinzuzufügen, daß er kastanien-braunes, etwas dünnes Haar und sehr schöne Hände hatte. Agricolas leiden-schaftliche Hingabe an die Studien ging niemals so weit, daß er die körperlicheAusbildung darüber versäumt hätte. Im Steinstoßen, in allen Arten der Fecht-kunst, im Ballspiel übte er seine Kraft und Gewandtheit bis zur Meisterschaft.Sein Gliederbau war vom Kopf bis zu den Füßen tadellos proportioniert unddie ganze Gestalt durchaus ansehnlich", sein Antlitz voll Würde und Freund-lichkeit.

Das ganze Auftreten des Mannes, diese Verbindung von natürlicher Anmutmit einer gewissen Nachlässigkeit, vereint eine musica natura, wie man damalssagte, wir würden sagen eine Künstlernatur. Sein ungewöhnliches Formtalentäußerte sich auf den verschiedensten Gebieten. Er beherrschte eine Reihe vonSprachen; seine Lebensarbeit galt dem Lateinischen und Griechischen, zu-letzt auch dem Hebräischen, aber daneben machte er sich das Hoch- und Nieder-deutsche, das Französische, mehrere Dialekte des Italienischen mit der größtenSorgfalt zu eigen, und zwar nicht, wie man sie gewöhnlich zu lernen und zuüben pflegt, um sich im täglichen Leben durchhelfen zu können, sondern ervermochte sie alle in gebundener wie in ungebundener Rede frei und elegantzu handhaben. Die Reinheit seiner lateinischen Aussprache und die vollendeteKunst seines Vortrags schützte ihn vor dem Spott der Italiener, der sonst denlateinisch redenden Barbaren unfehlbar traf und selbst einen Meister wieErasmus abhielt, sich in Italien öffentlich hören zu lassen. Agricola war nunfreilich durch und durch musikalisch, Virtuos auf der Orgel, Laute und Flöte,ein trefflicher Sänger, der sogar das Hindernis eines rauhen und empfind-lichen Organs zu überwinden verstand, ein gewiegter Theoretiker und be-liebter Komponist, gelegentlich wohl gar Orgelbauer.

Seine Jugendübung in der Kalligraphie bahnte ihm den Weg zur Malerei, die erwie die Musik mit wahrer Leidenschaft betrieb. Die Lobsprüche nordischerund italienischer Freunde berechtigen uns doch zu der Annahme, daß er indieser bei Gelehrten höchst seltenen Kunst wirklich Tüchtiges geleistet habe.Agricola besaß ein Formengedächtnis wie wenige; er liebte es, unterwegs, ohneNachhilfe einer Skizze, seine Eindrücke zu sammeln und im Kopf nach Hausezu tragen. Wenn er einen Menschen malen wollte, sagt sein Biograph, be-obachtete er ihn heimlich in der Kirche während der Messe mit gespannterAufmerksamkeit und warf dann zu Hause eine sprechend ähnliche Kohlen-zeichnung hin:man glaubte, in diesen stummen Konturen der Glieder denKörper leben und sich bewegen sehen" . . . Beachten wir die Äußerung desHeidelberger Biographen, schon seine Beschäftigung mit der Malerei sei einmehr als genügender Beweis für sein Genie. Wir sehen, daß in seiner Umgebungdie Kunst nicht mehr als eine Spielart des Handwerks, sondern als eine höchstvornehme Tätigkeit betrachtet wurde. Agricola selbst aber nennt sie etwas

Göttliches und Unvergängliches.-------

Agricola hat sein Ideal einer beata tranquillitas, eines völlig ungestörten Da-seins nirgends gefunden. Überall mußte er seine Freiheit bedroht sehen, denn

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