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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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lich-asketische Ideal kämpft eben noch seinen letzten Kampf. Ein solcheslang und gründlich gebautes Werk wie das Christentum es war der letzteRömerbau! konnte freilich nicht mit einem Male zerstört werden; alleArt Erdbeben hat da rütteln, alle Art Geist, die anbohrt, gräbt, nagt, feuchtet,hat da helfen müssen. Aber was das Wunderlichste ist: Die, welche sich ammeisten darum bemüht haben, das Christentum zu halten, zu erhalten, sindgerade seine besten Zerstörer geworden die Deutschen. Es scheint, dieDeutschen verstehen das Wesen einer Kirche nicht. Sind sie dazu nicht gei-stig genug? nicht mißtrauisch genug? Der Bau der Kirche ruht jedenfallsauf einer südländischen Freiheit und Freisinnigkeit des Geistes und ebenso aufeinem südländischen Verdachte gegen Natur, Mensch und Geist er ruht aufeiner ganz andren Kenntnis des Menschen, Erfahrung vom Menschen, als derNorden gehabt hat. Die Lutherische Reformation war in ihrer ganzen Breitedie Entrüstung der Einfalt gegen etwasVielfältiges", um vorsichtig zu reden,ein grobes, biederes Mißverständnis, an dem viel zu verzeihen ist, manbegriff den Ausdruck einer siegreichen Kirche nicht und sah nur Korruption,man mißverstand die vornehme Skepsis, jenen Luxus von Skepsis und Toleranz,welchen sich jede siegreiche, selbstgewisse Macht gestattet. . . Man übersiehtheute gut genug, wie Luther in allen kardinalen Fragen der Macht verhängnis-voll kurz, oberflächlich, unvorsichtig angelegt war, vor allem als Mann ausdem Volke, dem alle Erbschaft einer herrschenden Kaste, aller Instinkt fürMacht abging: so daß sein Werk, sein Wille zur Wiederherstellung jenesRömer-Werkes, ohne daß er es wollte und wußte, nur der Anfang eines Zer-störungswerks wurde. Er dröselte auf, er riß zusammen, mit ehrlichem In-grimme, wo die alte Spinne am sorgsamsten und längsten gewoben hatte. Erlieferte die heiligen Bücher an jedermann aus damit gerieten sie endlichin die Hände der Philologen, das heißt der Vernichter jeden Glaubens, der aufBüchern ruht. Er zerstörte den BegriffKirche", indem er den Glauben andie Inspiration der Konzilien wegwarf: denn nur unter der Voraussetzung,daß der inspirierende Geist, der die Kirche gegründet hat, in ihr noch lebe,noch baue, noch fortfahre, sein Haus zu bauen, behält der BegriffKirche" Kraft.Er gab dem Priester den Geschlechtsverkehr mit dem Weibe zurück: aber dreiViertel der Ehrfurcht, deren das Volk, vor allem das Weib aus dem Volkefähig ist, ruht auf dem Glauben, daß ein Ausnahme-Mensch in diesem Punkteauch in andren Punkten eine Ausnahme sein wird hier gerade hat der Volks-glaube an etwas Übermenschliches im Menschen, an das Wunder, an den er-lösenden Gott im Menschen, seinen feinsten und verfänglichsten Anwalt.Luther mußte dem Priester, nachdem er ihm das Weib gegeben hatte, dieOhrenbeichte nehmen, das war psychologisch richtig: aber damit war im Grundeder christliche Priester selbst abgeschafft, dessen tiefste Nützlichkeit immer diegewesen ist, ein heiliges Ohr, ein verschwiegener Brunnen, ein Grab für Ge-heimnisse zu sein.Jedermann sein eigener Priester" hinter solchen For-meln und ihrer bäurischen Verschlagenheit versteckte sich bei Luther der ab-gründliche Haß auf denhöheren Menschen" und die Herrschaft deshöherenMenschen", wie ihn die Kirche konzipiert hatte: er zerschlug ein Idealidas er nicht zu erreichen wußte, während er die Entartung dieses Ideals zu

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