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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
Seite
161
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Fange ich von Reuchlin an:Johann Reuchlin zu Pforzheim geboren, vonJugend auf der Sprachen und schönen Wissenschaften beflissen, in denen ereinen so guten Grund legte."Wer kann die entweihten Worte fortschreibenoder fortlesen? Sie sind zu unserer Zeit ohne allen Nachdruck, sind oft so elendgebraucht, daß sie leider I uns gerade das Gegenteil bedeuten, was sie beiReuchlin bedeuten sollen.

Fahre ich fort:Er befliß sich des reinen lateinischen Stils, las die Griechenund verstand sie, lernte in späteren Jahren das Ebräische mit unsäglichemFleiße", welcher verdumpfte Schulmeister wird nicht schnell einfallen:,)Das kann, das tue, treibe ich auch!" Ego et ReuchlinusIHeißts endlich:Er nahm sich der jüdischen Schriften, die, außer der Bibel,alle verbrannt werden sollten, mit unsäglichem Eifer an, schrieb Deduktionenfür die Güte und Unschuld, focht einen langen Prozeß darüber aus und der-gleichen." Welche Plattitüde, kann ein Narr rufen, von Güte und Verdienst?als ob das nicht jeder wüßte und könnte ? obs dazu eines Reuchlins brauchte ?Und wenn der Reuchlin nun gar seine gute Sache etwas jüdisch und kabba-listisch verfocht, wenn er de verbo mirifico und de arte cabbalistica Bücherschreiben, im Talmud und den ebräischen Buchstaben Geheimnisse findenkonnte und ferneres kein aufgeklärter, mit Hausenblas' aufgeklärter undmit Bimsstein abgeriebener Bube, der sich nicht über ihm dünkte und ausriefe:kam er nur damit zu unserer Zeit, wir wollten ihn Rezensieren' I"Ruh also in Frieden, lieber Schatten, ich will dich nicht stören, nicht denkleinen Trupp deiner Schriften,eine ebräische, eine griechische Gram-matik, ein ebräisch und lateinisch Wörterbuch, einige lateinische Knaben-spiele, kabbalistische Schriften und Verteidigungen der jüdischen Bücher"wie auf dem Trödelmarkte hervorrufen, und sie weder mit Oh! noch Ach!zieren.

Wenn nach Yoriks Klassifikation die Leser neugieriger Gattung fragen soll-ten:Wer war der Mann, also gestaltet?" so dient ihnen allenfalls zur Ant-wort: Er war kaiserlicher Rat, aus besonderer Achtung des Kaisers für sichUnd seinen Bruder und beider Geschlecht geadelt: Gefährte des HerzogsEberhard von Württemberg in Rom, Wien, und in Wien mehr als einmal:Gesandter zu Rom nachher in einer sehr wichtigen Sache des Herzogs vonBayern, die er beim Papst glücklich ausfocht, endlich im Namen des KaisersUnd der Reichsstände erster Bundesrichter in Schwaben, in allen diesen wich-tigen Stellen der Liebling der Großen und Geringen, mit denen er umging,die Ehre seines Landes und seines Standes. Kaiser Friedrich III. freute sich,'hm ein Geschenk in seinem Sinne übermachen zu können (der ebräischeKodex, der anitzt in Karlsruhe noch seinen Namen führet). Fürsten, Edle,2 uletzt gar Bischöfe und Kardinäle, Maximilian selbst freuten sich, für ihnsprechen, schreiben, entscheiden zu können. Die besten Männer seiner Zeit,Franz von Sickingen, Pirkheimer, Hütten, Graf Neuenar fochten für ihn undOit ihm. Erasmus, der nicht fechten wollte, lobte glimpflich, Luther segneteifao als einen Gottesmann und Helden, Melanchthon ehrte ihn als Vater, dieganze aufblühende Welt besserer Zeiten als ihren Mitstifter, geborne Griechenln Italien beneideten ihn um sein Griechisch, und einer von ihnen rief aus:

J l Wolters, Der Deutsche. IV, 2. r-