ten, wie wir alle vor der furchtbaren Oberherrlichkeit des Feuers und Wasserszittern. Auf dieser physischen und kosmischen Kraft lag ihnen das Geistigeund Moralische, wie ein Heiligenschein, der nicht zur Erde gehörte. Die Tugen-den führten auch damals zu den Himmlischen, aber die Menschen hüteten sich,sie, die Unbeschreiblichen, im Leben und in des Lebens Beschreibung erschei-nen zu lassen. Bei ihnen gebar nur die physische Kraft die Tat, und daher istsie immer das Organ alles irdischen Umschwunges, wodurch die Welt sichrührt. Auf diese Weise, da sie die Welt noch nicht zu einer Pandoren-Büchsegemacht hatten, voll von Tugenden und Lastern, die windig umherfliegenund ihre Gespensterleiber mit den rüstigen Söhnen und Töchtern der Erdefür neue Geburten vermischen, waren ihnen der Mensch und die Welt gar ver-ständliche Dinge. Indem sie genau schildern, wie alles in der Handlung undim Sein war, zeigen sie den Schein und das Geheimnis des Lebens besser, alswir, die wir nur dies immer sehen und malen wollen. Wer sich fest an der Erdehält und nicht den Himmel erfliegen will, ehe es Zeit ist, dem wächst die an-täische Kraft immer von unten, und er fährt freudig hindurch, bis sein Laufgeendigt ist.
So liegen die alten Geschichten vor uns, in jener jugendlichen Unbefangenheit,Einfalt und Naturkraft, die uns zauberisch fesselt. — Ja, sagt man, die Altenhatten gut beschreiben und schildern, sie treiben alles zum Ideal, machen dieDinge und die Menschen größer, als sie sind, so können wir nicht mehr dar-stellen, ohne Lügner zu heißen. Man sagt so mit Unrecht: der Mensch erscheintbei den Alten nicht herrlicher, als er ist, aber er erscheint als Mensch, und derMensch hat bei uns, in der Geschichte wie im Leben, lange die alte Herrlich-keit verloren.-------In der plastischen Lust, das Leben und die Menschen un-mittelbar aus eigenen Wurzeln aufwachsend hinzustellen, gaben die Alten ihnendie volle Gestalt, und mit der Gestalt gaben sie denen, die künftig solchesWerk sehen sollten, das menschliche Gefühl der Sympathie und des Erbarmens.Unsere metaphysischen Helden und Ungeheuer können uns nur durch dasGräßliche erschrecken, selten durch das Menschliche erfreuen, weil es nichtrecht menschlich ist. Die Alten nehmen die einzelnen großen Begebenheiten,den einzelnen Heros und lassen den Schwall der Zufälligkeiten als unzähligeTropfen um diesen Strudel rund laufen, sie lassen die Sonne scheinen undstellen sich in den Lichtpunkt, unbekümmert, wie die fernen Gegenständein der Beleuchtung sich ausnehmen werden. Wir machen es umgekehrt. Derganze Weltwirrwarr ist uns ein ungeheures Knäuel, wo wir nicht zuerst dieHand suchen, die es wickelte oder des Fadens Ende hält, womit er entwirrtwerden kann, sondern gewöhnlich von dem Ei an beschreiben, woraus derFaden besteht, wie er gesponnen, wie oft er rund gewickelt ward, welche Dingeund Menschen ihn an manchen Enden halten oder von ihm gehalten werden.So wird und bleibt das Knäuel ein Gewirr, nirgends erscheint eine einfacheKraft, die es lösen möchte, nirgends ein erstes und letztes, daß man stillstehenkönnte. Wir nehmen eine Geschichte zur Hand, um einen Augenblick zu ver-gessen, daß wir im Wirrwarr leben, und siehe, man arbeitet recht, uns dasGefühl dieses Wirrwarrs methodisch peinlich zu machen, indem man beweist,daß es so sein müsse. Die Alten, unbewußt von einem sicheren Takt geleitet,
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