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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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Überzeugung, welche zu Ende seines schweizerischen Aufenthaltes in ihmmag hervorgetreten sein, als die Ungeduld des Hervorbringens sich in etwaslegte und der Wunsch, ein Vollendetes dem Gemeinwesen darzubringen, ent-schiedener und deutlicher rege ward.

Da nun bei ihm der Mann und der Dichter eine Person ausmachten, so werdenwir, wenn wir von jenem reden, auch diesen zugleich schildern. Reizbarkeitund Beweglichkeit, Begleiterinnen dichterischer und rednerischer Talente, be-herrschten ihn in einem hohen Grade; aber eine mehr angebildete als an-geborne Mäßigung hielt ihnen das Gleichgewicht. Unser Freund war des En-thusiasmus im höchsten Grade fähig, und in der Jugend gab er sich ihm ganzhin, und dieses um so lebhafter und anhaltender, als jene schöne Zeit, in welcherder Jüngling den Wert und die Würde des Vortrefflichsten, es sei erreichbaroder unerreichbar, in sich fühlt, für ihn sich durch mehrere Jahre verlängerte.Jene frohen, reinen Gefilde der goldenen Zeit, jene Paradiese der Unschuldbewohnte er länger als andere. Sein Geburtshaus, wo ein gebildeter Geistlicherals Vater waltete, das uralte, an den Ufern der Elbe lindenumgebene KlosterBergen, wo ein frommer Lehrer patriarchalisch wirkte, das in seinen Grund-formen noch klösterliche Tübingen, jene einfachen Schweizerwohnungen,umrauscht von Bächen, bespült von Seen, umschlossen von Felsen: überallfand er sein Delphi wieder, überall die Haine, in denen er, als ein schon er-wachsener gebildeter Jüngling, noch immer schwelgte. Dort zogen ihn dieDenkmale mächtig an, die uns von der männlichen Unschuld der Griechenhinterlassen sind. Cyrus, Araspes und Panthea und gleich hohe Gestaltenlebten in ihm auf; er fühlte den Platonischen Geist in sich weben, er fühlte,daß er dessen bedurfte, um jene Bilder für sich und für andere wiederherzu-stellen, und dieses um so eher, als er nicht sowohl dichterische Schattenbilderhervorzurufen, sondern vielmehr wirklichen Wesen einen sittlichen Einflußzu verschaffen hoffte.

Aber gerade, daß er so lange in diesen höheren Regionen zu verweilen dasGlück hatte, daß er alles, was er dachte, fühlte, in sich bildete, träumte, wähnte,lange Zeit für die vollkommenste Wirklichkeit halten durfte, eben dieses ver-bitterte ihm die Frucht, die er von dem Baum des Erkenntnisses zu pflückenendlich genötigt ward.

Wer kann dem Konflikt mit der Außenwelt entgehen? Auch unser Freundwird in diesen Streit hineingezogen; ungern läßt er sich durch Erfahrungund Leben widersprechen, und da ihm nach langem Sträuben nicht gelingenwill, jene herrlichen Gestalten mit denen der gemeinen Welt, jenes hohe Wollenmit den Bedürfnissen des Tags zu vereinigen, entschließt er sich, das Wirklichefür das Notwendige gelten zu lassen und erklärt das ihm bisher Wahrgeschienenefür Phantasterei.

Aber auch hier zeigt sich die Eigentümlichkeit, die Energie seines Geistesbewundernswürdig. Bei aller Lebensfülle, bei so starker Lebenslust, beiherrlichen innern Anlagen, bei redlichen geistigen Wünschen und Absichtenfühlt er sich von der Welt verletzt und um seine größten Schätze bevorteilt.Nirgends kann er nun mehr in der Erfahrung wiederfinden, was so viele Jahresein Glück gemacht hatte, ja der innigste Bestand seines Lebens gewesen war;

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