schlagen? Aber freilich, wir haben gelernt, daß auf jeden Fall das Menschen-leben, auch das gemeinste, seinen Wert hat über allem Stoff und selbst Werkder Welt. Das ist die Predigt der Auflösung, der wahren Vernichtung: diePreisgabe des Höchsten, des nur mit Opferung von Menschenkräften undMenschenleibern zu erkaufenden Werkes, des Gebildes, das in großen und ein-fachen Formen auf ewig gültig Welt ausdrückt zugunsten der Menschen-fluten, die nichts bedeuten, als sehnen, ahnen, dämmern, genießen, sterbenund wiedergeboren werden. Hellas stößt mit Karma und Kreuz zusammen.Jedem Helden aber ist zum Glück eingeboren das für alle Anmaßungen desunfruchtbar „Menschlichen" ganz verständnislose Vordrängen auf Gestalt,Werk, Körper. Der eine macht es mit Leibern, der andere mit Sprachtrüm-mern, wieder einer mit den Blöcken gigantischer Natur. Aber nur da, wo sienichts Ebenbürtiges, nichts Geformtes, kein Gebilde finden, sehen sie Stoffund bemessen und bändigen ihn. Am Goethe ist Napoleon grüßend vorüber-geschritten und hat ihn gelassen, wo und wie er war: dazu bedurfte es nichtder Achtung, mit der der dreiste Deutsche von heute sich mit Goethe ex postidentifizierend sich schmeichelt. Das war der Instinkt, der sichere Gang desGenius. Auf Goethe zuckte ihm nicht die Hand, so wenig sie ihm auf Fried-rich gezuckt hätte. — Das war kein Material, das war Gebilde, an dem undmit dem er nichts mehr zu tun hatte, als seine Brüderlichkeit mit ihnen inewigen Reichen auszudrücken. (Berthold Vallentin, Napoleon und die geistigeBewegung, 1912.)
Wolters, Der Deutsche. IV, I.
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