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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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marmorne Hand, eine mächtige Hand, eine von den beiden Händen, die dasvielköpfige Ungeheuer der Anarchie gebändigt und den Völkerzweikampf ge-ordnet hatten und sie klopfte gutmütig den Hals des Pferdes. Auch dasGesicht hatte jene Farbe, die wir bei marmornen Griechen- und Römerköpfenfinden, die Züge desselben waren ebenfalls edelgemessen, wie die der Antiken,und auf diesem Gesichte stand geschrieben: Du sollst keine Götter haben außermir. Ein Lächeln, das jedes Herz erwärmte und beruhigte, schwebte um dieLippen und doch wußte man, diese Lippen brauchten nur zu pfeifen,et la Prusse n'existait plus diese Lippen brauchten nur zu pfeifen und dieganze Klerisei hatte ausgeklingelt diese Lippen brauchten nur zu pfeifenund das ganze heilige römische Reich tanzte. Und diese Lippen lächelten undauch das Auge lächelte. Es war ein Auge, klar wie der Himmel, es konntelesen im Herzen der Menschen, es sah rasch auf einmal alle Dinge dieser Welt,während wir anderen sie nur nacheinander und nur ihre gefärbten Schattensehen. Diese Stirn war nicht so klar, es nisteten darauf die Geister zukünf-tiger Schlachten, und es zuckte bisweilen über dieser Stirn, und das warendie schaffenden Gedanken, die großen Sicbenmeilenstiefel-Gedanken, womitder Geist des Kaisers unsichtbar über die Welt hinschritt. (Heinrich Heine,Das Buch Le Grand, 1826.)

Napoleon verdankt man's (und ganz und gar nicht der französischen Revo-lution, welche aufBrüderlichkeit" von Volk zu Volk und allgemeinen blu-michten Herzens-Austausch ausgewesen ist), daß sich jetzt ein paar kriege-rische Jahrhunderte aufeinander folgen dürfen, die in der Geschichte nichtihresgleichen haben, kurz, daß wir ins klassische Zeitalter des Krieges getretensind, des gelehrten und zugleich volkstümlichen Krieges im größten Maß-stabe (der Mittel, der Begabungen, der Disziplin), auf den alle kommenden Jahr-tausende als auf ein Stück Vollkommenheit mit Neid und Ehr furcht zurückblickenwerden: denn die nationale Bewegung, aus der diese Kriegs-Glorie heraus-wächst, ist nur der Gegenchoc gegen Napoleon und wäre ohne Napoleon nichtvorhanden. Im also wird man einmal es zurechnen dürfen, daß der Mannin Europa wieder Herr über den Kaufmann und Philister geworden ist; viel-leicht sogar überdas Weib", das durch das Christentum und den schwärme-rischen Geist des achtzehnten Jahrhunderts, noch mehr durch diemodernenIdeen" verhätschelt worden ist. Napoleon, der in den modernen Ideen undgeradewegs in der Zivilisation etwas wie eine persönliche Feindin sah, hatmit dieser Feindschaft sich als einer der größten Fortsetzer der Renaissancebewährt: er hat ein ganzes Stück antiken Wesens, das entscheidende vielleicht,das Stück Granit, wieder heraufgebracht. Und wer weiß, ob nicht dies Stückantiken Wesens auch endlich wieder über die nationale Bewegung Herr wer-den wird und sich im bejahenden Sinne zum Erben und Fortsetzer Napoleonsmachen muß: der das eine Europa wollte, wie man weiß, und dies als Herrinder Erde. (Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft, 1881/1886.)

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