Verwandtschaft. Das edlere Denken, Sprechen und Schreiben sichert uns einenoch unbesiegte Sprache, die glücklicherweise ihrer höhern Eigentümlich-keit nach von den Fremdlingen nicht begriffen wird. Nur sie wird noch lange„der eigentliche Rhein bleiben, welcher jene vorstürmenden Tempelräuberzurückhält von dem heiligen Gebiet unsrer geistigen, sittlichen und religiösenBesitztümer". Hier dürfen wir uns noch immer ungestört bereichern, undmit diesem innern Wohlstand wird auch unser Mut wachsen, unsre Volks-kraft sich immer gediegener emporheben. Alsdann — aber vielleicht schonfrüher; denn wer möchte im voraus die Wirkungen eines unverhältnismäßigenDrucks von außen berechnen, — alsdann wird die Auferstehung erfolgen,welche auch ich als einen der trostreichsten Glaubensartikel unsrer Lehre be-trachte. (C. G. v. Brinkmann an Gentz, 1807.)
DAS GÖTTLICHE WORT
Je gesunder das Leben, und je reiner der göttliche Atem der Seele, desto mehrgehen die Wunder der geistigen Wirkungen in die ganze Blüte des Daseinsüber als Mut der Arbeit, als tapfere Tat, ideales Werk, als Tugend und Ge-duld des ganzen Gemütes. Dabei richte jeder, was Wissenschaft, Geistes-bildung, Frömmigkeit ihm Herrlichstes aufschließt, auf das Ganze und immerauf das Ganze des Lebens und der Welt. Wer alles einzeln in sich erschaffenund erleben will, beschaut sich selbst zuletzt in leerer Eitelkeit und wird einAffe, weil er Gott zu werden trachtete. Darum ist das Wort, das ewige Wortdes Lebens, Fleisch geworden, damit das andere Wort, die Macht der Spracheund Lehre, endlich die einzige Zauberkraft würde, der wir vertrauen dürfen.Wie die Musik in dem Maße gestaltloser und durch das Spiel mit allen mög-lichen Gestalten und Bildern und zu allen möglichen Gestalten und Bildern hindie verworrenste und weichlichste aller Künste geworden, wie wir sie in unsernTagen erleben, als sie sich von ihrem lebendigen Worte, von der menschlichenStimme und dem Gesänge, entfernt hat, und wie sie fast in eine Gaukelei undHexerei mit den Instrumenten ausgeartet ist, so sind alle Wunderscheine undWundererscheinungen in dem Maße verführerischer und verderblicher, alssie von dem Wunder abirren, das uns verheißen ist durch die Wirkung desgöttlichen Wortes, woran wir glauben. (Ernst Moritz Arndt, Geist der Zeit IV,1818.)
GESPRÄCH UND REDE
Das Gespräch ist der erste aller Genüsse, weil es die Seele aller andern Ge-nüsse ist: auf diese einfache Formel reduziert sich das ganze verschlungeneTreiben unseres Lebens. Was uns in allen Geschäften des Lebens reizt, an-spornt, erhebt, was wir aber dort erst zusammengreifen und in einen einzigenKörper zusammenbauen müssen, damit es wie mit einer Stimme uns ant-worte, steht in dem lebendigen, freien Gespräch schon verkörpert als Freundund Gegner gegen uns über; in der Brust des Freundes streiten alle feind-seligen Mächte, die sich draußen im Felde und auf dem Forum nur irgendbegegnen können; das Geheimnis eines einzigen Herzens ergründen heißt dieWelt ergründen.
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