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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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eurem Banner, und nach der Rache und Befreiung bringt unter grünenEichen auf dem Altar des Vaterlandes dem schützenden Gotte die fröhlichenOpfer. (Ernst Moritz Arndt, Geist der Zeit II, 1808.)

EWIGKEIT DES ERBES

Die Vorfahren, wie sie die Geschichte herbeiruft, sind nicht kalte Zeugen;sie antworten, lebenswarm wirken sie fort, weil der Zauber des Herzens sieerweckt hat, in ihrer Gegenwart wirkt es sich freier, erhabener, gegenwärtigerfort. Sie scheinen zurückzunehmen, was wir ihnen gaben; sie scheinenNachkommen zu werden, indem wir das altertümliche Gefühl früherer Zeitenerneuern.

Wenn die großen Gestalten verflossener Begebenheiten wieder deutlich wer-den, scheint sich wie durch ein Wunder auch die Zukunft wieder aufzuschlie-ßen: Vergangenheit und Zukunft sind nur sichtbar in- und nebeneinander.Für sich, aus sich allein, absolut neu und ursprünglich soll der Mensch nichthandeln; nur fortsetzen sollen seine Taten die Taten der Vorfahren; anschlie-ßen soll er sich an eine Gemeinde, die schon da war alle Gemeinden sindeine, aber die nächste sei ihm die beste; herleiten soll er das Blut seinerWerke, den Geist seiner Entschlüsse von älteren und immer älteren Ahn-herren.

Solches ist die Unsterblichkeit des Großen und Guten auf Erden, daß, wo nurwürdiges, neues Leben sich regt, jenes alte immer fortlebt und daß nur unterkalten nichtswürdigen Seelen die Rede geht, es sei dahingegangen, es sei inStaub zerfallen. Die große und unvergängliche Sache, für deren Gedeihen derHeld seinen irdischen Leib aussetzte, muß doch wohl eher sein Leib heißen,als dieser irdische, der in seiner Vergänglichkeit dem ewigen Sinne dessen,den ihr gestorben nennt, nicht genügen mochte. (Adam Müller, Vorlesungenüber die deutsche Wissenschaft und Literatur, 1807.)

DAS WERDEN IM VERGEHEN

Die Bewegung des Menschengeschlechts, welche die Weltgeschichte zeigt,entspringt, wie alle Bewegung in der Natur, aus dem Drange, zu wirken undzu zeugen, und den Hemmungen, die dieser Drang erleidet, und folgt Gesetzen,die nur nicht immer sichtbar sind. An alles dies chaotische Fluten knüpftsich, da der Mensch einmal eine intellektuelle Natur ist, Geist und Idee an,gelingt oder mißglückt, pflanzt sich in gewissen, von Nationen zu Nationenübertragenen Formen fort und ändert, erweitert oder verengt, veredelt oderverschlechtert sich. Aber plötzlich wird wieder das Edelste, was er hervor-gebracht hat, verschlungen von Naturbegebenheiten oder Barbarei; es istsichtbar, daß das Schicksal das Geistig-Gebildete nicht achtet, und das istdie Unbarmherzigkeit der Weltgeschichte. Aus den Revolutionen gehen aberwieder neue Formen hervor, die Fülle der Kraft tritt in immer wechselndenund sich immer veredelnden Gestalten auf, und die Endabsicht, wie das Wesenalles Geschehenden besteht nur darin, daß sie sich ausspricht und sich aus

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