furcht, die er verdient. Wenn er auf dem Nachen ausruft: Du trägst den Cäsarund sein Glück! oder sinnend am Rubikon steht und nun noch einmal kurzsein Vorhaben erwägt, wenn er dann fortschreitet und die bedeutenden Wortesagt: Der Würfel ist geworfen! dann bewegt sich mein ganzes Herz vorEntzücken, alle meine Gedanken versammeln sich um den einen großenMann, und ich möchte ihn auf alle Weise verherrlichen. Am liebstensehe ich ihn vor mir, wenn er durch die kleine Stadt in den Alpen zieht,sein Gesellschafter ihn fragt: ob denn hier auch wohl Neid und Verfolgungund Plane zu Hause wären, und er mit seiner höchsten Größe die tief-sinnigen Worte sagt: Glaube mir, ich möchte lieber hier der Erste, als inRom der Zweite sein.
Dies ist nicht bloßer Ehrgeiz, oder wenn man es so nennen will, so ist es dasErhabenste, wozu sich der Mensch emporschwingen kann. Denn freilich, warRom, das damals die ganze Welt beherrschte, im Grunde etwas anderes alsjene kleine unbedeutende Stadt? Der höchste Ruhm, die größte Verehrungdes Helden, auch wenn ihm der ganze Erdkreis huldigt, was ist es denn nunmehr? Wird er niemals wieder vergessen ? Ist vor ihm nicht etwas Ähnliches da-gewesen? Es liegt eine große Seele in Cäsars Worten, die hier so kühn das an-scheinend Höchste mit dem scheinbar Niedrigsten zusammenstellt. Es istein solcher Ehrgeiz, der diesen Ehrgeiz wieder als etwas Gemeines und Verächt-liches empfindet, der sein großes Leben, das er führt, nicht höher anschlägtals das des unbedeutenden Bürgers, der das ganze Leben gleichsam nur somitmacht, weil es eine hergebrachte Gewohnheit ist, und der nun in der Fülleseiner Herrlichkeit gleichsam als Zugabe, als einen angeworfenen Zierat,seinen Ruhm, seine glorwürdigen Taten, sein erhabenes Streben hinein-legt. Wo die Wünsche der übrigen Menschen über ihre eigene Kühnheit er-staunen, da sieht er noch Alltäglichkeit und Beschränktheit; wo andere sich vorWonne und Entzücken nicht mehr fassen können, ist er kaltblütig und nimmtmit zurückhaltender Verachtung an, was sich ihm aufdrängt.Mir fallen diese Gedanken bei, weil viele jetzt von den wahrhaft großen Män-nern mit engherziger Kleinmütigkeit sprechen, weil sich diese es einkommenlassen, Riesen und Kolosse auf einer Goldwage abzuwägen. Eben diesekönnen es auch nicht begreifen, warum ein Sulla in seinem höchsten Glänzedas Regiment plötzlich niederlegt und wieder Privatmann wird und so stirbt.Sie können es sich nicht vorstellen, daß der menschliche Geist, der hohe näm-lich, sich endlich an allen Freuden dieser Welt ersättige und nichts mehr suche,nichts mehr wünsche. Ihnen genügt schon das bloße Dasein, und jeder Wunschzerspaltet sich in tausend kleine; sie würden ohne Stolz, in schlechter Eitel-keit Jahrhunderte durchleben und immer weiter träumen und keinen Lebens-lauf hinter sich lassen.
Jetzt ist es mir sehr deutlich, warum Cato und Brutus gerne starben; ihr Geisthatte den Glanz verlöschen sehen, der sie an dieses Leben fesselte. (LudwigTieck, Franz Sternbaldts Wanderungen, 1798.)
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