STADT UND STAAT.
ATHEN UND SPARTA.
Von den griechischen Lebenszentren war Athen für Piaton gegeben undim Können ererbt, Lakedämon das schon von Sokrates erstrebte und geglaubteHeil. Athen mit der Akropolis auf dem letzten Block des Gebirges, das es nachNorden abschließt, schaut auf eine steinigte, karge Ebene, die sich sanft zumStrande neigt, denn nur zwei Stunden weit leuchtet südlich das Meer; dasLand lenkt Schritt und Blick seiner Wohner, unfähig, sie selber zu nähren,über das Meer und weist den Kräften der Stadt die Richtung, nicht um sichselber kreisend der eigenen Wiedergeburten zu warten, sondern an die Weiteverschenkt, sich allem Fremden zu öffnen und mit Fremdem sich zu füllen,dem Strome gleich, der an die Ferne und ans Meer sich vergeudet, von der Sonneaufgesogen emporsteigt und über den Umweg der Wolken als Regen in sichselber zurückströmt. Wo der Eurotas nach dem engen Durchbruch durchsGebirge das breite Tal befruchtet, fett von Triften und fähig seine Anwohnerreichlich zu ernähren, lag Sparta, die mauerlose Stadt, auf niedriger Erhöhung;das Meer liegt weit und ohne die verlockenden Häfen Attikas, im Westen starrendie zackigen Gipfel des Taygetos, im Osten warf Parnon Kräfte, so sich in dieFerne verschleudern mochten, in das gesättigte Tal zurück: das ruht wie einverschollener See, rings sperren die Gebirge jeden Abfluß, doch die unterirdi-schen Quellen nähren und erfrischen seine Gewässer zu stets sich gleicherFrische und durchsichtiger Helle. Der Athener war ein Bürger der Welt undes war keinem verboten, den Mutterboden mit fremder Brache zu vertauschen,nicht minder frei bot die Stadt dem Fremden gern ein Heim, und nur in ihr warendie Metöken geachtet und wurden Bürger. Dem Spartaner stand auf Auswan-derung und Reisen der Tod, und wenn etwa fremde Gesandte nach Lakedämonkamen, empfingen oben am Felsentore des Eurotas die Wachen den Gast, derohne Geleit die Stadt nicht betreten durfte. Die Richtung der Kräfte von Athenerscheint zentrifugal, von Sparta zentripetal, und wenn auch die mechanischeEinseitigkeit dieser Bezeichnungen gewaltsam ist, so macht sie doch begreif-lich, wie Athen in steter Vergeudung der eigenen Ursprünge leer ward undSparta im steten Kreisen um den eigenen Mittelpunkt erstarrte, wie dort dieEntartung der geistigen Rasse verschwemmte und hier die stete Binnenheiratdes Geistes in Dürre endete. Wer hier etwas wie Tadel spürt, hat uns nichtverstanden; heutigem Staate bewußter Zwecke darf man wohl falsche Wegezum Vorwurf machen, doch nicht dem hellenischen Organismus wie auchden Bäumen nicht, wenn einer allzu breit, der andere allzu schmal sich aus-wächst. (Heinrich Friedemann, Piaton, seine Gestalt, 1914.)
DER GRIECHISCHE STAATSMANN.
Die einzige eigentlich gesetzmäßige Verfassung in Griechenland war die re-publikanische, an welcher jeder Bürger mehr oder minder Anteil nehmenkonnte. Wer also etwas durchzusetzen wünschte, mußte, da ihm Gewalt
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