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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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KRIEG.

KRIEG UND KUNST.

Die Zeit, in welcher die Künste ihr größtes Wachstum in Griechenland er-reichten, sind, nach dem Diodorus von Sizilien, die nächsten fünfzig Jahrenach dem persischen Kriege; damals war ein Grund zur Größe von Griechen-land gelegt, auf welchem ein dauerhaftes und prächtiges Gebäude konnte auf-geführt werden. Die Weisen und Dichter legten die erste Hand an dasselbe, dieKünstler endigten es, und die Geschichte führt uns durch ein prächtigesPortal zu demselben.

Die glückseligsten Zeiten für die Kunst in Griechenland und sonderlich inAthen waren die vierzig Jahre, in welchen Perikles, so zu reden, die Republikregierte, und während des hartnäckigen Krieges, welcher vor dem peleponnesi-schen Kriege, der in der siebenundachtzigsten Olympias seinen Anfang nahm,hervorging. Dieser Krieg ist vielleicht der einzige, der in der Welt geführt wor-den, in welchem die Kunst, welche sehr empfindlich ist, nicht allein nichtsgelitten, sondern sich mehr als jemals hervorgetan hat, und es ist derselbenanzusehen: so wie die kleinen Zwistigkeiten, die in der Liebe zu entstehenpflegen, und diese mehr verfeinern und verbinden. In diesem Kriege habensich die Kräfte von Griechenland vollends und gänzlich ausgewickelt: und daAthen und Sparta alle ersinnlichen Mittel ausforschten und ins Werk setzten,ein entscheidendes Übergewicht auf eine oder die andere Seite zu lenken: sooffenbarte sich eines jeden Talent, und aller Menschen Sinne und Hände warenbeschäftigt, und so wie die Tiere alle ihre Stärke äußern, wenn ihnen vonallen Seiten zugesetzt wird: ebenso zeigte sich damals das große Talent derAthenienser, da sie in große Bedrängnis gerieten.

Unterdessen hatten die Künstler allezeit während des Krieges den großenTag vor sich, wo ihre Werke vor aller Griechen Augen aufgestellt wurden.Denn wenn nach vier Jahren sich die Zeit der olympischen und nach drei Jah-ren der isthmischen Spiele näherte: so hörten alle Feindseligkeiten auf, unddie wider einander erbitterten Griechen kamen zur allgemeinen Freude zuElis oder zu Korinth zusammen, wo auch diejenigen, die aus ihrem Vater-lande verbannt waren, erscheinen durften, und vergaßen über dem Anblickeder Blüte der Nation, die sich hervorzutun suchte, auf einige Tage, was vor-gegangen war und was geschehen sollte. (Joh. Joach. Winckelmann, Ge-schichte der Kunst des Altertums, W. Ak. A. 1776.)

DER KRIEG ALS KUNST BEI DEN DORIERN.

Wir schließen mit der Behauptung, mit der wir dieses Kapitel begannen, aberin anderer Beziehung: daß kein Volk den Krieg in dem Sinne und Maße alsKunst angesehen wie die Dorischen Spartiaten. Es war ihnen die Krieg-führung fast weniger ein wirkendes, auf Verderb anderer gerichtetes Handeln,als ein darstellendes, das den schönsten Teil des Volkes in einstimmender

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