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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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ANTIKE UND NEUERE KUNST.

Verschiedentlich habe ich mir die Frage vorgelegt, wie es komme, daßvon unsern Antiquaren zwei so ungleichartige Gegenstände, als Bildwerkeder Griechen und Römer und die Gemälde der christlichen Kunst sind, fastmit derselben Liebe umfaßt, mit der nämlichen Aufmerksamkeit untersuchtwerden. Zwar liegt eine Antwort nahe, daß in beiden Hervorbringungen dieihnen gemeinschaftliche Schönheit der Gestalt und Komposition gesucht undanerkannt werde, folglich die eine zur Erläuterung und Bestätigung der an-dern gereichen dürfe. Magdalena kann so reizend gemalt sein, als Venusausgehauen ist, und die Zusammensetzung einer Grablegung von RafaelsHand so glücklich und gewählt sein als irgendein altes Werk. Ich bekenne,daß mir dieser Grund nicht genugtut, weil, wie mich dünkt, in den Bildsäulenund Malereien noch eine andere gründlichere Verschiedenheit obwaltet, diedurch Beobachtung ihrer gemeinsamen Vorzüge keineswegs aufgehoben wird,die mir eben, als ich römische Sammlungen betrachtete, oft in grellem Ab-stich entgegentrat. Ein wesentlicher, ja unausgleichbarer Unterschied deralten von der neuen Kunst liegt mir nämlich darin, daß alles, was jene gestal-tete, typisch ist, das heißt nach lang überliefertem Urbild entsprungen, dieBilder der neueren Kunst aber beinah ganz in der Phantasie und Willkür desMalers beruhen. Jene waren darum echt religiös, diese sind es nur anschei-nend, weil die Kraft des einzelnen und des größten Meisters solch einen Typuszu erzeugen oder zu ersetzen viel zu schwach ist. Alle alten Werke, der Grie-chen zumal, sind lehrreich, und man darf sie bis ins Einzelne studieren, wäh-rend aus Gemälden, selbst rafaelischen, für die Erkenntnis unserer wesent-lich unbildlichen Glaubensgeheimnisse nichts zu entnehmen ist. Was ihnengegeben war, konnten die Maler nicht malen, und was sie malten, war ihnennicht gegeben. In allen noch so verschieden gefaßten Bildsäulen der Pallaswird der Göttin Typus walten; wie grundabweichend ist Maria von den Malern,von einem und demselben Meister genommen, dem Haupte des Heilandssehen wir bald schwarzes, bald nußbraunes, bald schlichtes, bald gekräuseltesHaar beigelegt. Man weiß, daß die ersten Jahrhunderte alle Bilder verab-scheuten, die folgenden fast verstohlen wieder dazu, niemals aber zu einemstetigen Typus der Gestalten und Farben gelangten. Es gebricht also der mo-dernen Kunst an einem vollen Hinterhalt, an lebendigem, festem Zusammen-hang mit Religion und Mythus, den keine künstlerische Schwärmerei ver-gütet. Auch mich ergreift bei Rafael, Leonardo, Tizian das glühende Lebenihrer Bilder, die gleich den glücklichsten und wahrhaftesten Porträten wirken,deren Form und Anlage ich bewundere. Was ich in ihnen misse, würde auchein aufrichtiger Katholik in ihnen nicht finden: mythische Treue und Zu-verlässigkeit, die erst den Mittelpunkt und die Seele des Gemäldes hergebenkönnten. (Jakob Grimm, Akad. Rede, 5. Dez. 1844.)

ALTE UND NEUE HARMONIK DER WELT.

Wem dieser großartige Gedanke eines einheitlichen, alle Bewegungen derWelt beherrschenden Bewegungsgrundgesetzes auch zuerst gekommen sein

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